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Schilddrüsen-Karzinom: Biomarker verrät Tumorursache

Neuherberg, 07.10.2014. Die Expression des Proteins CLIP2* gibt Auskunft darüber, ob ein papilläres Schilddrüsen-Karziom strahleninduziert oder sporadisch entstanden ist. Damit haben Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München einen neuen Biomarker für die Ursachendiagnostik dieser bösartigen Tumorerkrankung identifiziert. Ihre Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift ‚Oncogene‘ veröffentlicht.

Immunhistochemischer Nachweis von CLIP2 in einem sporadischen (links) und einem strahlenassoziierten (rechts) Schilddrüsenkarzinom. Quelle: Helmholtz Zentrum München

CLIP2 dient als Strahlenmarker: Nach einer Strahlenbelastung  durch radioaktives Iod sind sowohl die Genaktivität als auch die Proteinexpression erhöht, wie die Wissenschaftler Studien nachweisen konnten.

Insbesondere für die Entstehung eines Tumors in der Schilddrüse nach einer Strahlenexposition scheint CLIP2 von Bedeutung zu sein. Das Team um Martin Selmansberger, Dr. Julia Heß, Dr. Kristian Unger und Prof. Dr. Horst Zitzelsberger von der Abteilung Strahlenzytogenetik am Helmholtz Zentrum München fand einen Zusammenhang zwischen hohen CLIP2-Werten und der Strahlenvorgeschichte bei Patienten mit papillärem Schilddrüsen-Karzinom. „In unserer Studie konnten wir die strahlenassoziierte CLIP2-Expression auf Proteinebene in drei unterschiedlichen Gruppen von Patienten mit Schilddrüsen-Karzinom nachweisen“, sagt Erstautor Selmansberger. Die Forschungsarbeit wurde am Helmholtz Zentrum München in Kooperation mit dem Institut für Strahlenschutz und der Abteilung Analytische Pathologie erstellt.

Strahlenmarker CLIP2 erlaubt Ursachenunterscheidung und Risikoabschätzung

„CLIP2 dient daher als Strahlenmarker und erlaubt es uns, zwischen strahleninduzierten und sporadischen Schilddrüsenkarzinomen zu unterscheiden,“ ergänzt Studienleiterin Heß. Die Wissenschaftler haben in ihren Untersuchungen ein standardisiertes Verfahren entwickelt, um CLIP2 nachzuweisen. „Durch diesen Biomarker können wir sowohl Rückschlüsse auf die Mechanismen der Entstehung eines solchen Tumors ziehen, als auch beurteilen, welches Risiko für Schilddrüsenkrebs nach einer hohen Strahlenbelastung, wie beispielsweise einem Strahlenunfall, besteht,“ so Heß.

Der Schwerpunkt der Gesundheitsforschung am Helmholtz Zentrum München liegt auf den großen Volkskrankheiten. Neben Diabetes und Lungenerkrankungen zählen dazu auch Krebserkrankungen. Ziel des Helmholtz Zentrums München ist es, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung schnell weiterzuentwickeln, um konkreten Nutzen für die Gesellschaft zu erbringen.


Dr. Julia Heß, Martin Selmansberger | Quelle: Helmholtz Zentrum München

Weitere Informationen

*CAP-GLY domain containing linker protein 2. Die genaue Funktion von CLIP2 bei der Entstehung von Schilddrüsen-Karzinomen ist noch nicht bekannt. Die Rekonstruktion des Gen-regulatorischen Netzwerks lässt aber darauf schließen, dass CLIP2 an fundamentalen Prozessen der Krebsentstehung beteiligt ist.


Original-Publikation:
Selmansberger, M. et al. (2014). CLIP2 as radiation biomarker in papillary thyroid carcinoma, Oncogene, doi:10.1038/onc.2014.311

Link zur Fachpublikation

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.200 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 34.000 Beschäftigten angehören.

Die selbstständige Abteilung Strahlenzytogenetik (ZYTO) untersucht strahleninduzierte Chromosomen- und DNA-Schäden in Zellsystemen und menschlichen Tumoren. Im Mittelpunkt steht die Aufklärung von Mechanismen der Strahlenkarzinogenese und -empfindlichkeit von Tumorzellen. Ziel ist es, Biomarker für den Nachweis strahleninduzierter Tumoren für die personalisierte Strahlentherapie zur Stratifizierung von Patienten zu finden. ZYTO gehört dem Department of Radiation Sciences (DRS) an.


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Fachlicher Ansprechpartner
Dr. Julia Heß, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Abteilung Strahlenzytogenetik, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel.: 089-3187-3517 -