Pressemitteilung/News

Über 140 Gene beeinflussen Veranlagung zu Übergewicht und Fettleibigkeit

Neuherberg, 12.02.2015. In der bislang größten genomweiten Assoziationsstudie hat ein internationales Forscherteam für über 140 Gene einen Zusammenhang mit dem Auftreten von Übergewicht und Fettleibigkeit nachgewiesen. Einige der neu identifizierten Genorte weisen auf eine Beteiligung des zentralen Nervensystems hin. Die Ergebnisse sind in dem renommierten Fachjournal ‚Nature‘ publiziert.

Über 140 Gene beeinflussen Veranlagung zu Übergewicht und Fettleibigkeit

Bild: DNA-Doppelhelixstruktur. Quelle: fotolia

Die Wissenschaftler des internationalen GIANT (Genetic Investigation of Anthropometric Traits)-Konsortiums analysierten das Erbgut von über 300.000 Individuen: Dabei fanden sie für mehr als 140 Gene einen Zusammenhang mit erhöhtem Körpergewicht. Folge von chronischem Übergewicht können Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sein.

An GIANT sind auch Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München beteiligt, einige der ausgewerteten Datensätze stammen aus den deutschen KORA*-Studien.

Gene sind Schlüssel zu molekularen Mechanismen und neuen Therapiekonzepten

War für einige der Gene der Zusammenhang mit Übergewicht und Fettleibigkeit bereits bekannt, konnten die Forscher auch völlig neue Genorte identifizieren. Die Autoren betonen, wie wichtig das Wissen über genetische Veranlagung im Zusammenhang mit weit verbreiteten Erkrankungen wie Fettleibigkeit sei, um einerseits mehr über die zugrundeliegenden molekularen Mechanismen herauszufinden und andererseits neue, personalisierte Therapiekonzepte zu entwickeln.

Detail-Erkenntnisse weisen Weg für künftige Forschung

Die Genorte sind in unterschiedlichem Ausmaß mit verschiedenen Merkmalen von Übergewicht assoziiert, wie Taillenumfang, Fettverteilung oder Body-Mass-Index (BMI). Einige der 97 mit einem erhöhten BMI-assoziierten Gene - das sind dreimal so viele Gene wie bislang bekannt - sind auch an Prozessen des zentralen Nervensystems beteiligt: sie kontrollieren Energieumsatz und Appetit. Hier erhoffen die Wissenschaftler sich neue Erkenntnisse zur Rolle des Gehirns bei der Steuerung des Stoffwechsels. Weiterhin konnte für mehrere Genvarianten ein verstärkter Gewichtseffekt in Abhängigkeit vom Geschlecht nachgewiesen werden.

Die künftige Forschung steht nun vor der Herausforderung, das Zusammenspiel zwischen Genfunktionen und dem Risiko für Übergewicht aufzuklären, um präventive und therapeutische Ansätze gegen Übergewicht und Fettleibigkeit zu entwickeln.

Pressemitteilung des GIANT-Konsortiums

Weitere Informationen


*KORA (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg)
Seit über 20 Jahren wird in der international bekannten KORA-Studie die Gesundheit tausender Bürger aus dem Raum Augsburg untersucht, um die Auswirkungen von Umweltfaktoren, Verhalten und Genen zu erforschen. Kernthemen der KORA-Studien sind Fragen zu Entstehung und Verlauf von chronischen Erkrankungen, insbesondere Herzinfarkt und Diabetes mellitus. Hierzu werden Risikofaktoren aus dem Bereich des Gesundheitsverhaltens (u.a. Rauchen, Ernährung, Bewegung), der Umweltfaktoren (u.a. Luftverschmutzung, Lärm) und der Genetik erforscht. Aus Sicht der Versorgungsforschung werden Fragen der Inanspruchnahme und Kosten der Gesundheitsversorgung untersucht.

Original-Publikationen:

Locke, A. et al. (2015). Genetic Studies of Body Mass Index Yield New Insights for Obesity Biology, Nature, doi: 10.1038/nature14177

Link zur Fachpublikation

Shungin, D. et al. (2015). New Genetic Loci Link Adipose and Insulin Biology to Body Fat Distribution, Nature, doi: 10.1038/nature14132

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Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. Das Helmholtz Zentrum München ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e.V.

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung e.V.  bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul Langerhans Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am Carl Gustav Carus Universitätsklinikum Dresden sowie assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten.

Das Institut für Epidemiologie II (EPI II) erforscht die Zusammenhänge von Umwelt, Lebensstil und Genetik bei der Entstehung von Diabetes, Erkrankungen des Herzens und der Erhaltung der Gesundheit im Alter. Die Forschung stützt sich auf die einzigartigen bevölkerungsbasierten KORA-Ressourcen (Kohorte, Herzinfarktregister, Aerosol-Messstation). Folgestudien innerhalb der Kohorte ermöglichen die Untersuchung von Frühformen und Komplikationen ausgewählter chronischer Erkrankungen und deren Verbreitung in der Bevölkerung.

Die selbstständige Abteilung Molekulare Epidemiologie (AME) analysiert populationsbasierte Kohorten und Fallstudien für bestimmte Krankheiten mit Hilfe von Genomik, Epigenomik, Transkriptomik, Proteomik, Metabolomik und funktionellen Analysen. Ziel ist, die molekularen Mechanismen komplexer Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Adipositas aufzuklären. Die Abteilung führt die Bioprobenbank der Epidemiologie und übernimmt die Probenverwaltung und -lagerung für nationale und internationale Projekte.

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Fachliche Ansprechpartner am Helmholtz Zentrum München

Dr. Harald Grallert, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Institut für Epidemiologie II, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg – Tel.: 089-3187-1195 -

Dr. Christian Gieger, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Institut für Genetische Epidemiologie, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg – Tel.: 089-3187-4106 -