Diabetes

Diabetes erfolgreich bekämpfen – neue Therapien, wirksame Prävention

Diabetes – eine nicht ansteckende Epidemie

Diabetes mellitus ist eine der großen Volkskrankheiten, die für die westlichen Industrienationen eine zunehmende Herausforderung darstellen: Aufgrund der hohen Fallzahlen wurde Diabetes mellitus 2006 von den Vereinten Nationen als internationale Bedrohung, aber auch als Epidemie eingestuft – als erste, nicht durch eine Infektion verursachte Krankheit. In Deutschland leidet inzwischen fast jeder Zehnte an der Krankheit. Die Zahl der Betroffenen wächst stetig und die Patienten werden immer jünger.

Diabetes mellitus ist ein Sammelbegriff für Erkrankungen des Zuckerstoffwechsels, die durch den Verlust der Produktion oder der Wirkung des Hormons Insulin charakterisiert sind. Die genauen Entstehungsmechanismen der Erkrankung sind bis heute nicht geklärt. Bekannt ist allerdings, dass die Kombination aus genetischen Faktoren und Lebensstil zu Diabetes führt. Allein in Deutschland leiden derzeit acht Millionen Menschen an dieser Volkskrankheit – das sind fast 10 % der Bevölkerung, die Dunkelziffer liegt vermutlich ebenso hoch.

 

 

Typ 1-Diabetes mellitus

Bei Typ 1-Diabetes sterben Insulin produzierende Zellen in den Langerhans Inseln der Bauchspeicheldrüse. Durch den darauffolgenden Insulinmangel kommt es zu Stoffwechsel- Entgleisungen im Körper. Typische Veränderungen in Blutbild und Urin sind Hyperglykämie (erhöhter Blutglukosespiegel), Hyperlipidämie (erhöhte Blutfettwerte), Glukosurie (vermehrte Ausscheidung von Glukose mit dem Harn) und Ketoadzidose (Übersäuerung des Blutes durch Ansammlung von Ketonkörpern).

Klinisch äußert sich Typ-1-Diabetes in verstärktem Harndrang, Gewichtsabnahme, Muskelschwäche, Abgeschlagenheit, Müdigkeit und starkem Durstgefühl. Eine schlechte Blutzuckereinstellung begünstigt zudem Folgeerkrankungen wie Nieren-, Nerven- und Augenschäden sowie arteriosklerotische Veränderungen an den Blutgefäßen.

Wie verbreitet ist Typ 1-Diabetes?

Insgesamt leiden in Deutschland rund 0,4 Prozent der Bevölkerung an Typ 1-Diabetes, die Hälfte davon erkrankt bereits im Alter von unter 20 Jahren. Im Gegensatz zu Typ 2-Diabetes, der im Volksmund auch als "Altersdiabetes" bezeichnet wird, tritt Typ-1-Diabetes vorwiegend im Kindes- und Jugendalter auf.

Wie bei Typ 2-Diabetes nehmen auch bei Typ 1-Diabetes die Erkrankungsraten seit einigen Jahren dramatisch zu. Die Ursachen dafür sind noch unklar.  

Typ 2-Diabetes mellitus

Typ 2-Diabetes ist die häufigste Form der Zuckerkrankheit. Charakteristisch bei der Entwicklung eines Typ 2-Diabetes ist die verminderte Empfindlichkeit für das Hormon Insulin, wodurch der Insulinbedarf des Körpers stark steigt. Diesen Status bezeichnet man als Prädiabetes, es handelt sich dabei also um eine Vorstufe des Typ 2-Diabetes. Wenn die Bauchspeicheldrüse nicht mehr in der Lage ist, den gestiegenen Insulinbedarf zu decken, manifestiert sich der eigentliche Typ 2-Diabetes. Die heutigen Therapien sind unbefriedigend. Antidiabetika und Insulintherapie lindern die Symptome, bekämpfen aber nicht die Ursache der Zuckerkrankheit.

Noch fehlt ein genaueres Verständnis dafür, welche Mechanismen für die Entstehung der Erkrankung verantwortlich sind. Fortschritte in den Biowissenschaften und moderne Technologien ermöglichen jetzt neue Methoden und Forschungsansätze bei der Aufklärung des Stoffwechsels und von Stoffwechselentgleisungen. 

Wie häufig ist Typ 2-Diabetes?

Diabetes mellitus ist die häufigste Stoffwechselerkrankung in den westlichen Industrienationen. Nach Angaben der Internationalen Diabetes-Förderation (International Diabetes Federation, IDF) lebten 2007 weltweit etwa 246 Millionen Diabetiker. Experten rechnen bis zum Jahr 2025 mit einer Erhöhung der Zahl auf bis zu 380 Millionen Betroffene. In Deutschland gibt es derzeit etwa acht Millionen bekannte Diabetesfälle. In Wirklichkeit dürften es aber weit mehr sein, denn viele Menschen wissen nichts von ihrer Erkrankung. Die Dunkelziffer liegt in der Gruppe der erwachsenen Bevölkerung vermutlich bei rund 50 Prozent. Etwa 90 Prozent aller Diabetespatienten sind Typ 2-Diabetiker, über die Hälfte ist über 65 Jahre alt. 

Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes

Was ist Schwangerschaftsdiabetes?

Gestations- oder Schwangerschaftsdiabetes zählt zu den häufigsten Komplikationen während der Schwangerschaft. Für die betroffenen Frauen steigt das Risiko, Jahre bis Jahrzehnte nach der Entbindung Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Auch auf das Übergewichts- und Diabetesrisiko des Kindes kann sich Schwangerschaftsdiabetes auswirken.

Per Definition ist Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes (GDM) genannt, jede Glukosetoleranzstörung, die in der Schwangerschaft erstmals diagnostiziert wird. Grundsätzlich schließt der Begriff zwar auch neu entdeckte Formen von Typ 1- und Typ 2-Diabetes ein, doch in der Praxis handelt es sich meist um einen vorübergehenden Typ-2-Diabetes, der mehrere Jahre nach der Entbindung zu einem manifesten Typ-2-Diabetes führen kann. Wegen seiner engen Beziehung zum Typ-2-Diabetes gilt Schwangerschaftsdiabetes als eine seiner Vorstufen. In der Regel verläuft die Stoffwechselkomplikation symptomarm, die typischen Anzeichen eines Diabetes mellitus wie starker Durst und verstärkter Harndrang fehlen meist. Unbehandelt birgt sie jedoch Risiken für den Geburtsverlauf und das Kind.

Abgrenzung zu präkonzeptionellem Diabetes

Nicht zum Schwangerschaftsdiabetes zählt ein bereits vor der Schwangerschaft erkannter Typ-1- oder Typ-2-Diabetes. Der so genannte präkonzeptionelle Diabetes erhöht das Risiko für die Entwicklung von Übergewicht und Diabetes beim Kind aber ebenso stark wie Schwangerschaftsdiabetes. Wie bei der Glukosetoleranzstörung, die nur während der Schwangerschaft auftritt, können schlecht eingestellte Blutzuckerwerte die Blutzuckerwerte des Fetus erhöhen (fetale Hyperglykämie) und zu erhöhten Insulinspiegeln im Fruchtwasser führen. Die mögliche Folge ist eine Fehlprogrammierung der Gewichts- und Stoffwechselregulation des Kindes.

Allerdings beeinflusst eine Typ-1-Diabetes-Erkrankung der Mutter das Übergewichtsrisiko der Kinder nicht per se, sondern nur über Faktoren, die mit der Krankheit in Beziehung stehen. Das zeigen Auswertungen aus der Babydiab-Studie, die vom Institut für Diabetesforschung des Helmholtz Zentrums München und der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München durchgeführt wird. So kommen Kinder von Müttern mit Typ-1-Diabetes im Vergleich zu Kindern gesunder Mütter mit erhöhtem Geburtsgewicht zur Welt und werden seltener gestillt. Beide Faktoren erhöhen das Risiko der Kinder, später übergewichtig zu werden, unabhängig von der Diabetes-Erkrankung der Mutter. Mit der Babydiab-Studie untersuchen die Münchner Forscher rund 1.600 Kinder und junge Erwachsene mit positiver Familienanamnese für Typ-1-Diabetes.

Welche Risiken bestehen für das Kind?

Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass Diabetes während der Schwangerschaft das Risiko der Kinder erhöht, im späteren Leben Übergewicht und Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Eine zentrale Rolle spielt dabei der fetale Hyperinsulinismus, also ein erhöhter Insulinspiegel im Fruchtwasser. So ist bei Kindern diabetischer Mütter mit fetalem Hyperinsulinismus das Risiko, eine gestörte Glukosetoleranz zu entwickeln, dreieinhalb mal höher als bei Kindern diabetischer Mütter mit normalen fetalen Insulinspiegeln. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von "intrauteriner Programmierung" (intrauterin = in der Gebärmutter). Dieser Begriff bezeichnet einen Prozess von der 28. Schwangerschaftswoche bis zum Ende der ersten Lebenswoche, in der Faktoren wie Ernährung und Hormone die künftige Funktion von Organen und Organsystemen dauerhaft prägen. Die fetale Insulinsekretion legt zum Beispiel den Sollwert für die Regulation der Insulinsekretion nach der Geburt fest.

Welche Risiken bestehen für die Mutter?

Für die betroffenen Frauen kann Diabetes in der Schwangerschaft schwerwiegende Folgen haben. Zwar verschwindet die Stoffwechselstörung in der Regel nach der Geburt des Kindes wieder, doch viele Frauen entwickeln im späteren Leben Typ-2-Diabetes. Das zeigt unter anderem die Deutsche Gestationsdiabetes-Studie vom Institut für Diabetesforschung der Forschergruppe Diabetes e.V. am Helmholtz Zentrum München und der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München.

Autoantikörper gegen GAD (Glutamic Acid Decarboxylase), ein typisches Zeichen für Typ-1-Diabetes, wurden nur bei rund zehn Prozent der Studienteilnehmerinnen nachgewiesen. Besonders gefährdet für die Entwicklung von Diabetes nach der Schwangerschaft sind nach der Deutschen Gestationsdiabetes-Studie Frauen, die während der Schwangerschaft Insulin spritzen müssen, einen BMI von über 30 kg/m2 haben und häufiger als zweimal schwanger waren.