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Neuherberg, 11. Oktober 2010 (in german only)

Die Genetik der Taille ist weiblich: Neue erbliche Faktoren für die Körperfett-Verteilung gefunden

Unter deutscher Federführung von Wissenschaftlern des Helmholtz Zentrums München und des Universitätsklinikums Regensburg hat das internationale GIANT-Konsortium in einer groß angelegten Studie neue genetische Faktoren für die Körperfett-Verteilung identifiziert. Sie sind bei Frauen deutlicher ausgeprägt als bei Männern. Neben starkem Übergewicht ist die Art der Körperfett-Verteilung ein zusätzlicher Risikofaktor für chronische Krankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Ergebnisse bilden einen wichtigen Baustein für die Suche nach den Entstehungsursachen dieser Volkskrankheiten. Sie sind in der aktuellen online-Ausgabe von Nature Genetics veröffentlicht.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter deutscher Leitung von Prof. Iris Heid, Universität Regensburg, und Prof. H.-Erich Wichmann vom Helmholtz Zentrum München hat 13 neue Genorte gefunden, die die Verteilung des Körperfetts im Bereich von Taille und Hüfte beeinflussen. Die Hälfte dieser genetischen Effekte zeigte sich verstärkt oder nur bei Frauen.

Die Wissenschaftler des GIANT-Konsortiums suchen seit längerem nach genetischen Faktoren für starkes Übergewicht, also Adipositas. In ihrer aktuellen Studie berücksichtigten sie neben dem Gesamtgewicht auch die Art der Fettverteilung um Bauch und Hüfte, was ein zusätzlicher Risikofaktor für zahlreiche chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Als Maß dafür diente den Wissenschaftlern das Taillen-Hüft-Verhältnis: Der so genannte Birnentyp mit mehr Fettanlagerung an der Hüfte ist unter Gesundheitsaspekten günstiger als der Apfeltyp mit höherer Fettanlagerung an der Taille. Die persönlichen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten sind von entscheidender Bedeutung, welchem der beiden Typen man angehört. Doch auch genetische Faktoren spielen eine große Rolle, wie sich in der aktuellen Studie gezeigt hat.

Fast 300 Wissenschaftler aus über 60 Studien, darunter zahlreiche Studien aus der Untersuchungsplattform KORA des Helmholtz Zentrums München, untersuchten über zwei Millionen Genvarianten bei fast 200.000 Personen. "Das Besondere an den neuen Arbeiten ist, dass wir dank der sehr hohen Probandenzahl Genvarianten aufspüren konnten, die für sich genommen nur einen relativ kleinen Effekt auf das Körpergewicht haben. In einzelnen Studien hätten wir diese niemals entdeckt", betont Prof. H.-Erich Wichmann, Direktor des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München. Er hatte mit seiner Untersuchungsplattform KORA als einer der ersten Europäer das GIANT-Konsortium mit aufgebaut. KORA (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg; www.helmholtz-muenchen.de/kora) ist eine Plattform für bevölkerungsbasierte Gesundheitsforschung in Epidemiologie, Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung.

"Diese gigantischen Meta-Analysen sind derzeit die erfolgreichste Methode, um neue Genorte für Erkrankungen zu identifizieren und erfordern eine neue Art der internationalen Zusammenarbeit", so Prof. Iris Heid vom Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin (Direktor: Prof. Dr. Dr. Michael Leitzmann) der Universität Regensburg. Sie erstellte die aktuelle Arbeit federführend gemeinsam mit Dr. Cecilia Lindgren aus Oxford und Kollegen aus Boston, Ann-Arbor, Reykjavik und Cambridge. Für den Einzelnen spielt diese Art der Genetik keine große Rolle, da im Vergleich zur den Auswirkungen der Lebensgewohnheiten die Geneffekte relativ klein sind. Für das Verständnis der Mechanismen schon: "Diese Genorte liefern uns entscheidende Hinweise, um uns auf der Landkarte der biologischen Mechanismen für Fettverteilung besser zurechtzufinden. Bis man diese Zusammenhänge genau versteht, werden allerdings noch viele 'gigantische' Forschungsanstrengungen nötig sein", meint Heid und schließt an: "Es scheint ratsam, sich mit der spezifischen Biologie von Frauen und Männern stärker auseinanderzusetzen."Weiterführende Informationen:Originalpublikation: Heid, I. et al., Meta-analysis identifies 13 new loci associated with waist-hip ratio and reveals sexual dimorphism the genetic basis of fat distribution. – Nature Genetics Online Vorabveröffentlichung am 10.10.2010; 2010 http://dx.doi.org/10.1038/ng.685 | http://www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/abs/ng.685.html


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