Pressemeldungen KORA
KORA erfaßt Krankheitsrisiken und ihre Folgen
Die Räume sind frisch geweißelt, die Telefone angeschlossen, die Fragebögen gedruckt, die Bleistifte gespitzt, die Untersucherinnen geschult, das EKG- und das Ultraschallgerät betriebsbereit. Bis zu 16 Studienteilnehmer kommen seit Ende Oktober täglich in das neue KORA-Studienzentrum in Augsburg.
KORA - die Abkürzung steht für Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg - ist das neueste Vorhaben der GSF-Institute für Medizinische Informatik und Systemforschung sowie für Epidemiologie. Es wird vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie für drei Jahre mit einer Fördersumme von insgesamt 4,5 Millionen Mark unterstützt. In diesem Zeitraum werden die beteiligten GSF-Wissenschaftler in Kooperation mit klinischen Partnern vier Projekte realisieren. "Wir wollen herausfinden, wie Vererbung, das Vorhandensein von Gesundheitsstörungen und der Lebensstil bei der Entstehung eines Herzinfarktes zusammenwirken, welche individuellen gesundheitlichen und sozialen Folgen durch den Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) verursacht werden, wie das Auftreten von Allergien im Erwachsenenalter zu erklären ist und welche Kosten damit verbunden sind. Allgemeines Ziel ist natürlich die Prävention: Durch rechtzeitige gezielte Einflußnahme soll die Entstehung dieser häufigen Volkskrankheit verhindert oder wenigstens zeitlich hinausgezögert und der Krankheitsverlauf günstig beeinflußt werden", erklärt Dr. Hannelore Löwel, die Leiterin des KORA-Studienzentrums der GSF.
Die rund 14.000 potentiellen KORA-Probanden der nächsten Jahre haben bereits am GSF-MONICA-Projekt teilgenommen: einer von der WHO initiierten und koordinierten Studie zur Erforschung der Risiken für Herzkreislaufkrankheiten. In das MONICA-Augsburg Herzinfarktregister wurden darüberhinaus Daten von mehr als 10.000 Infarktpatienten aufgenommen.
Die bereits gestartete Augsburger Herzinfarkt-Familienstudie soll zusätzlich zu den verhaltens- und umweltbedingten Risiken den Einfluß der Gene auf das Infarktrisiko identifizieren und deren Auswirkungen epidemiologisch erfassen. Dazu werden einige hundert MONICA-Teilnehmer mit einem überstandenen Herzinfarkt sowie deren Eltern und Geschwister in das GSF-KORA-Studienzentrum in Augsburg eingeladen. Projektleiterin Dr. Hannelore Löwel und Dr. Susanne Engel wollen im Rahmen einer Langzeitbeobachtung untersuchen, inwieweit und durch welche Faktoren sich das Infarktrisiko der Familien im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung unterscheidet. An der Universität Regensburg wollen die Kardiologen Dr. Stephen Holmer, Dr. Christian Hengstenberg, PD Dr. Heribert Schunkert und Prof. Dr. Günter Riegger durch molekulargenetische Analysen mögliche erbliche Ursachen identifizieren; dieses Vorhaben unterstützt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 350 000 Mark. PD Dr. Wolfgang Koenig, Kardiologe an der Universität Ulm, wird den Einfluß des Gerinnungssystems auf die Infarktentstehung untersuchen. "Vieles spricht dafür, daß die genetische Disposition zum Beispiel über eine Beeinflussung des Gerinnungssystems mit zu den infarktverursachenden Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen beiträgt", erklärt Dr. Löwel.
Was nutzt es, Gene zu finden, die das Infarktrisiko erhöhen? "Wenn wir solche Informationen einmal haben und den Mechanismus der Infarktentstehung verstehen, können Risikopatienten frühzeitig erkannt werden. Es ist aus meiner Sicht kaum zu erwarten, daß Gentherapien die Methode der Wahl für die Prävention von Herzkreislauferkrankungen werden. Daher auch unser Interesse, Lebensstilfragen in die Studien einzubeziehen", sagt die Projektleiterin.
Infarktgefährdet sind besonders Diabetiker. Wie sich ihr diabetes-bedingtes Risiko verringern läßt, will der GSF-Soziologe Dr. Andreas Mielck zusammen mit externen Kooperationspartnern in einer eigenen "Diabetes-Studie" ebenfalls an rund 1600 ehemaligen MONICA-Probanden (800 Diabetiker, 800 Kontrollpersonen) untersuchen. 300 Personen sind gleichzeitig Teilnehmer der Infarkt-Familienstudie. Weitere Diabetes-Studienteilnehmer werden gleichzeitig Teilnehmer des von Prof. Dr. Dr. H.-Erich Wichmann, GSF, und Prof. Dr. Johannes Ring, Technische Universität München geleiteten KORA-Projektes zur Erforschung von Asthma und Allergien im Erwachsenenalter sein, die Mitte nächsten Jahres starten wird.
Am Beispiel der teilnehmenden Probanden der Asthma- und Allergie-Studie will Dr. Jürgen John, Sozioökonom des Medis-Institutes, in einem gesonderten KORA-Projekt die Informationsbarrieren zwischen Gesundheitsanbietern und Kostenträgern überwinden und praktikable Lösungen erarbeiten, um die mit einer Krankheit verbundenen Folgekosten zukünftig routinemäßig ermitteln zu können.
Sprecher des KORA-Vorhabens ist Prof. Dr. Wilhelm van Eimeren, Direktor des Instituts für Medizinische Informatik und Systemforschung der GSF. Prof. Dr. Dr. H.-Erich Wichmann, Direktor des GSF-Instituts für Epidemiologie, ist stellvertretender KORA-Sprecher.
Neuherberg, 14. Oktober 1996
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