flugs- fachinformationsdienst

Schriftgröße »A . A+ . A++ .

Allergien: Jeden kann es treffen

Häufig gestellte Fragen

nach oben

Was sind Allergien?
"Was sind Allergien?" als mp3-Datei
"Wir Mediziner verstehen darunter eine spezifische Änderung der Immunitätslage eines Menschen im Sinne einer krankmachenden Überempfindlichkeit. D.h. ich setze mich mit einem Stoff auseinander und werde nicht immun - wie das sonst der Fall ist, wenn ich also mit vielen Bakterien oder Viren in Berührung komme oder wenn ich geimpft werde -, sondern ich werde krank."

nach oben

Wie kommt es zu einer allergischen Reaktion?
"Wie kommt es zu einer allergischen Reaktion?" als mp3-Datei
"Das läuft grundsätzlich so ab, wie jede Immunreaktion abläuft. Also ich habe einen Kontakt mit einem Stoff. Der wird von bestimmten Zellen des Organismus' erkannt. Er wird von diesen aufgenommen und wird dann im Lymphknoten bestimmten Zellen des Immunsystems, nämlich den Lymphozyten gegenüber präsentiert. Und auf dieser Lymphozyten-Ebene entscheidet sich jetzt: Reagiert das Immunsystem so, dass wir als Menschen immun werden, oder reagiert es so, dass wir krank werden? Und im Falle der Allergie ist es so, dass so genannte T-Helfer-Lymphozyten, bestimmte Zellen, aktiviert werden. Wir nennen diese TH2-Zellen, T-Helfer-2-Zellen. Und die induzieren jetzt die Bildung eines Antikörpers gegenüber dem Allergen. Und dieser Antikörper gehört zur Immunglobulin-Klasse E: IgE-Antikörper. Und der IgE-Antikörper ist der klassische allergische Antikörper. D.h. wenn wir solche Antikörper bilden, dann werden wir bei wiederholtem Kontakt gegenüber dem Allergen mit einer allergischen Reaktion reagieren."

nach oben

Welche unterschiedlichen Formen von Allergien gibt es?
"Welche unterschiedlichen Formen von Allergien gibt es?" als mp3-Datei
"Wir kennen verschiedene Formen von Allergien. Die bekanntesten und häufigsten sind die Soforttyp-Allergien, also die durch Heuschnupfen, Asthma, atopisches Ekzem charakterisiert sind. Aber wir kennen dann darüber hinaus auch andere Formen, nämlich das so genannte klassische Kontakt-Ekzem der Haut. Das ist auch eine bestimmte Allergieform, wo nur Zellen beteiligt sind und keine Antikörper beteiligt sind. Und dann gibt es noch eine Reihe von anderen, selteneren Formen. Z.B. die Typ-3-Allergie, das ist z.B. die Vogelzüchter-Lunge oder ähnliche. Wo wir also allergisch reagieren auf organische Stäube."

nach oben

Was sind typische Krankheitsbilder?
"Was sind typische Krankheitsbilder?" als mp3-Datei
"Bei den Typ-1-Allergien, den Soforttyp-Allergien - das sind die häufigsten Allergien überhaupt in Deutschland - das ist eben der Heuschnupfen mit seinen Niesattacken, Nasenlaufen, Augenjucken etc. Dann haben wir das Asthma mit den klassischen Asthma-Anfällen, wo die Bronchien zugehen - entweder durch Entzündung oder weil die Muskulatur einfach zugeht - und charakterisiert ist durch massive Atemnot. Und dann haben wir natürlich das allergische Ekzem, das atopische Ekzem, das klassischerweise jeder kennt unter dem Begriff Neurodermitis."

nach oben

Wie kann ein Arzt eine Allergie feststellen?
"Wie kann ein Arzt eine Allergie feststellen?" als mp3-Datei
"Als allererstes steht hier die Anamnese im Vordergrund. Also wir müssen die Geschichte der Symptomentwicklung erfragen. Das ist das allererste, das ist mehr als die Hälfte der Diagnose. Wenn dann der Verdacht auf eine Allergie besteht, kann man bestimmte diagnostische Tests machen, seien es Hauttests, seien es Tests im Blut. Und wenn man gefunden hat, dass hier bestimmte Allergene eine Rolle spielen könnten, dann muss man provozieren. Also man muss sozusagen den Menschen unter Laborbedingungen mit dem Allergen noch mal exponieren. Und dann schauen, ob dieses Allergen dann wirklich auch relevant ist für die Krankheit."

nach oben

Was kann ich unternehmen, wenn ich weiß, wogegen ich allergisch bin?
"Was kann ich unternehmen, wenn ich weiß, wogegen ich allergisch bin?" als mp3-Datei
"Grundsätzlich ist es immer noch so, dass Karenz das erste ist, also Meiden des Allergens. Bei manchen kann ich das natürlich nicht tun. Also, wenn ich eine Pollenallergie habe, dann kann ich das Pollenallergen nicht meiden. Ich werde exponiert, ob ich will oder nicht. Und beim Hausstaub ist es ein bisschen anders. Ich kann die Hausstaub-Exposition nicht meiden, ich kann aber verhindern, dass die Milben, die in meiner Matratze leben und das Allergen produzieren, dass die eben nicht durch die Bettbezüge hindurchkommen und durch das Laken. Hier gibt es spezielle Bettwäsche, die eben dieses verhindert. Also der erste Schritt ist die Allergen-Meidung. Der zweite Schritt ist: Ich gehe zu einem erfahrenen Allergologen und lasse mich therapieren. Hier kann ich symptomatisch therapieren, also das heißt, ich kann meine Symptome in den Griff bekommen. Das sind die klassischen Antiallergika, Antihistaminika etc., also da gibt es eine ganze Palette. Damit behandle ich aber nicht die Erkrankung.Ich kann die Erkrankung an der Wurzel heute behandeln, indem ich hyposensibilisiere, also eine spezifische Immuntherapie anbiete - also die Allergiespritze. Das mache ich so, indem ich das Immunsystem dann umpole. Es wird dann auf kleine Mengen des Allergens, gegenüber dem ich allergisch bin, nicht mehr den allergischen Antikörper produzieren, sondern es wird sozusagen einen immunogenen Antikörper produzieren, also Toleranz erzeugen. Und solche Hyposensibilisierungen laufen meistens über mehrere Jahre ab. Und dann bin ich praktisch gegenüber diesem Allergen geheilt."

nach oben

Sind Allergien erblich?
"Sind Allergien erblich?" als mp3-Datei
"Allergien sind nicht erblich. Jeder kann eine Allergie bekommen. Aber die Leute, die eine so genannte Veranlagung haben, Allergien zu entwickeln, die werden leichter eine Allergie bekommen. Und diese Veranlagungen, Allergien zu entwickeln, sind in dem genetischen Material versteckt."

nach oben

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich bei einer Veranlagung auch tatsächlich eine Allergie entwickle?
"Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich bei einer Veranlagung auch tatsächlich eine Allergie entwickle?" als mp3-Datei
"Selbst wenn in der Familie die Veranlagung bekannt ist, Allergien zu entwickeln, heißt das noch lange nicht für ein bestimmtes Individuum aus dieser Familie, dass es auch wirklich krank werden muss. Und das ist etwas, was zur Zeit noch erforscht wird. Ich kann zwar den allergischen Antikörper in mir tragen, also ich kann sozusagen die erste Stufe einer Allergie durchgemacht haben, aber ob ich dann wirklich krank werde oder nicht, also Symptome entwickle oder nicht, das ist damit noch nicht gesagt. Und wir wissen heute noch nicht, welche Bedingungen gegeben sein müssen, um von einer Sensibilisierung, wie wir das nennen, also dem Vorliegen von allergischen Antikörpern im Blut, hin zur Krankheit, welcher Schritt da notwendig ist und wie man diesen beeinflussen kann. Und wir wissen auch nicht, welche genetischen Faktoren hier vielleicht auch noch eine Rolle spielen. Etwa 50 % der Bevölkerung haben in ihrem Blut, wenn man sie untersucht, allergische Antikörper vorliegen gegenüber irgendeinem Allergen - Außenluft, Hausstaub, wie auch immer. Aber nur etwa davon ein Viertel wird dann wirklich krank. Und wir wissen nicht, wer wird jetzt krank und wer wird nicht krank. Hier ist noch Forschung notwendig."

nach oben

Wie erkenne ich eine Allergie-Veranlagung und was kann ich zur Vorsorge tun?
"Wie erkenne ich eine Allergie-Veranlagung und was kann ich zur Vorsorge tun?" als mp3-Datei
"Das kann man heute mit den Methoden, die wir haben, sehr wohl testen. Aber ich weiß ja, wenn ich genetisch die Veranlagung habe, Allergien zu entwickeln, schon aus der Familiengeschichte. Also wenn z.B. die Eltern beide Allergiker sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind dann allergisch wird, sehr hoch. Wenn der Großvater allergisch ist oder die Großmutter und ein - sozusagen - Geschwister allergisch ist, ist auch die Wahrscheinlichkeit hoch. Das wissen wir alles heute. Und in sofern kann man da - wenn man das will - gewisse Prävention treiben. Dazu gehörte z.B., dass ich mich im jugendlichen Alter und im Kindesalter nicht so sehr mit zusätzlichen Allergenen umgebe. Also keine Katzen im Haus habe, keine Hunde und all diese Dinge. Also dass ich da die Allergen-Exposition minimiere."

nach oben

Wie hat sich die Zahl der Allergien allgemein entwickelt?
"Wie hat sich die Zahl der Allergien allgemein entwickelt?" als mp3-Datei
"Es ist überhaupt keine Diskussion heute mehr, dass die Prävalenz von Allergien im Laufe des letzten Jahrhunderts drastisch angestiegen ist. Hier gibt es verschiedene Faktoren, die eine Rolle spielen. Vieles wird hier diskutiert. Das eine sind die Luftschadstoffe, die Umweltschadstoffe, die allergiefördernde Wirkung haben können. Das andere ist die so genannte Hygienehypothese, wie wir das nennen. Also dass die Kinder im frühen Kindesalter nicht mehr genügend ihr Immunsystem trainieren. So dass dann eben Allergien sich ausbreiten können."

nach oben

Hat sich denn auch bei den Allergenen selbst etwas verändert?
"Hat sich denn auch bei den Allergenen selbst etwas verändert?" als mp3-Datei
"Wir unterscheiden ja grundsätzlich Allergene im Außenluftbereich gegenzu Allergenen im Innenraumbereich und dann Allergenen, die in Lebensmitteln vorhanden sind - ganz grundsätzlich. Und geändert hat sich die Pollensaison. Die Außenluft-Allergene sind wesentlich pollengetragene Allergene. Und die Pollensaison, wissen wir, dass sie sich in Europa im Laufe der letzten 30 Jahre verlängert hat. Sowohl nach vorne hin - der Beginn ist früher, wir haben heute Haselpollenflug nicht nur Anfang Februar, sondern z.T. sogar schon im Januar oder sogar auch im Dezember des Jahres davor. Also die Saison hat sich verlängert nach vorne hin verschoben. Und wir haben eine Verlängerung nach hinten hinaus. Also durch die heißen Sommer, durch die Hitzewellen, Klimawandel haben wir es auch mit warmen, längeren Sommern zu tun und warmem Herbst."

nach oben

Welche anderen Auswirkungen haben diese verlängerten warmen Jahreszeiten?
"Welche anderen Auswirkungen haben diese verlängerten warmen Jahreszeiten?" als mp3-Datei
"Das ist eine klassische Bedingung, die Pflanzen brauchen, die in Europa überhaupt gar nicht vorhanden sein dürften. Wir nennen das invasive Neophyten, also Pflanzen, die sich neu angesiedelt haben. Solche, die in Amerika z.B. endemisch sind, wie z.B. die Ambrosia-Pflanze, das beifußblättrige Traubenkraut. Welches sich eben nach dem zweiten Weltkrieg insbesondere in Südosteuropa angesiedelt hat. Und sich im Moment auch in nördlicheren Regionen anfängt, auszubreiten. Und in der Zukunft eine Bedeutung haben könnte - ich bin hier sehr vorsichtig, weil wir das heute noch nicht sagen können - auch für Deutschland."

nach oben

Welche Folgen könnte die Verbreitung der Ambrosia-Pflanze haben?
"Welche Folgen könnte die Verbreitung der Ambrosia-Pflanze haben?" als mp3-Datei
"Wir wissen aus Amerika, dass Ambrosia-Allergene starke Allergene sind. D.h. es werden ein größerer Teil der Leute, die exponiert werden, dann auch eine Allergie entwickeln, als vielleicht gegenüber anderen allergenen Pflanzen. Das nennen wir starke Allergene. Und wir wissen auch aus Amerika und neuen Untersuchungen aus Italien, dass diese Sensibilisierung sehr schnell auch in Asthmaerkrankungen übergehen können. Also nicht nur stehen bleiben beim Spätsommer-Heuschnupfen, sondern sehr schnell auch eine asthmatische Komponente bekommen können."

nach oben

Aus der Forschung

Welche Wissenschaftler arbeiten in der Klinischen Kooperationsgruppe "Umwelt-Dermatologie und Allergologie" zusammen?
"Welche Wissenschaftler arbeiten in der Klinischen Kooperationsgruppe Umwelt-Dermatologie und Allergologie zusammen?" als mp3-Datei
Das ist eine interdisziplinäre Gruppe, da arbeiten Toxikologen, Mediziner, Immunologen. Und wir haben aber vielerlei Kooperationen mit anderen Institutionen innerhalb des Helmholtz Zentrums München, ohne die wir solche Untersuchungen nicht machen könnten. Und da ist in erster Linie zu nennen: die Inhalationsbiologie, die eben die Partikel bereitstellt, mit denen wir dann unsere Untersuchungen machen oder diese Inhalationsexperimente auch mit machen. Da ist die Toxikologie, mit denen wir zusammenarbeiten, die Immunologie. Also wir haben vielfältige Kooperationen hier. Wir haben auch Kontakte zu den Pflanzenwissenschaftlern, weil wir natürlich schwerpunktsmäßig mit Pollen arbeiten. Und hier in Zukunft auch Klimawandel simulieren wollen und untersuchen wollen, welchen Einfluss das auf die Allergenität von Pollen hat."

nach oben

Was zeichnet die Klinische Kooperationsgruppe gegenüber anderen Einrichtungen aus?
"Was zeichnet die Klinische Kooperationsgruppe gegenüber anderen Einrichtungen aus?" als mp3-Datei
"Meines Wissens sind wir eine der wenigen Institutionen, die sich Untersuchungen zum Einfluss von Umweltstoffen auf allergische Reaktionen überhaupt verschrieben haben. Und die eben solche allergiefördernden Stoffe zu erkennen helfen. Und das ist etwas, was uns auszeichnet. Uns zeichnet weiter aus, dass wir assoziiert sind an einer allergologischen Klinik der Technischen Universität. So dass wir auch Zugang zu Patienten haben und zu Material haben, zu Blut, zu Serum, zu all diesen Dingen, die man braucht für solche Untersuchungen. Und uns zeichnet weiter aus, dass wir eben darüber alle experimentellen Methoden zur Verfügung haben - von der Einzelzelle ausgehend, über das Tiermodell, bis hin zum Menschen und zwar zum kranken Menschen -, um solche Fragestellungen zu untersuchen. Das ist das Besondere."

nach oben

Was sind die wichtigsten Forschungsfragen, mit denen Sie sich beschäftigen?
"Was sind die wichtigsten Forschungsfragen, mit denen Sie sich beschäftigen?" als mp3-Datei
"Wir untersuchen in der klinischen Kooperationsgruppe ganz gezielt, welchen Einfluss Umweltfaktoren auf die Entwicklung von Allergien haben. Und das tun wir sowohl in menschlichen Systemen an Einzelzellen - aber auch am Organismus - als auch in tierexperimentellen Modellen. Und interessieren uns speziell nicht nur für anthropogene Faktoren, also Umweltschadstoffe und deren Einfluss auf die Entwicklung von Allergien, sondern wir kümmern uns auch um solche Faktoren, die aus der Natur kommen und die auch die Allergien fördern."

nach oben

Wie sieht die praktische Arbeit bei Ihnen aus?
"Wie sieht die praktische Arbeit bei Ihnen aus?" als mp3-Datei
"Der Anfang ist der, dass ich frage: Ist ein Umweltschadstoff überhaupt relevant für die Entwicklung einer Allergie? Oder könnte er in der Tat eine allergiefördernde Wirkung haben? Punkt eins. Das ist wichtig. Hier kriegen wir die Information aus der Epidemiologie. Ich finde ja in der Epidemiologie Assoziationen. D.h. ich finde, dass z.B. in stark verkehrsbelasteten Regionen eben die zehnjährigen Kinder mehr Heuschnupfen haben und stärkere Symptome haben. Das ist ein deutlicher Hinweis dafür, dass hier Umweltstoffe eine Rolle spielen können. Dann gehe ich weiter und schaue, welche Stoffe sind denn das eigentlich, die hier eine Rolle spielen. Um an diesem Beispiel zu bleiben, sind das in der Regel dann die Partikel, die ultrafeinen oder feinen Partikel, die Feinstaubpartikel auf der einen Seite. Und dann bestimmte organische Komponenten in der Außenluft, die entweder gasförmig vorliegen oder an die Partikel gebunden sein können."

nach oben

Welche Komponenten interessieren Sie da in erster Linie?
"Welche Komponenten interessieren Sie da in erster Linie?" als mp3-Datei
"Wir hier bei uns in der Klinischen Kooperationsgruppe untersuchen ganz gezielt die Frage: Welche Rolle spielen die polyzyklisch-aromatischen Kohlenwasserstoffe, die sowohl in der Gasphase in der Außenluft als auch in der Partikelphase, also an den Feinstaubpartikeln, adsorbiert sind, auf die Entwicklung von Allergien? Und wir machen das so, dass wir dann zunächst erst mal Stäube sammeln, Extrakte herstellen und die Gesamtheit aller Organika, also polyzyklisch-aromatischen Kohlenwasserstoffe, auf bestimmte zelluläre Systeme, die für die Allergie wichtig sind, untersuchen. Und wenn wir dann hier Effekte gefunden haben, dann brechen wir runter und gucken dann, welche Einzelstoffe könnten es denn sein, die hier die Rolle spielen."

nach oben

Welche Wirkung können gerade extrem feine Partikel haben?
"Welche Wirkung können gerade extrem feine Partikel haben?" als mp3-Datei
"Wir haben hier sehr klar zeigen können im Tiermodell, dass ultrafeine Partikel in der Lage sind, die Entwicklung einer Allergie zu fördern gegenüber einem klassischen Allergen; aber auch in der Lage sind, die Symptome zu verstärken. Und das ist besonders wichtig, weil sie in der Lage sind, die Symptome auch dann noch zu verstärken, wenn meine Exposition gegenüber den ultrafeinen Partikeln vier Tage lang zurückliegt, bevor ich überhaupt mein Allergen sehe, gegen das ich allergisch bin."

nach oben

Was weiß man denn heute über die klassischen Allergieauslöser, also z.B. den Blütenstaub?
"Was weiß man denn heute über die klassischen Allergieauslöser, also z.B. den Blütenstaub?" als mp3-Datei
"Pollen sind ja nicht die Allergene. Sondern in den Pollen sind Eiweißstoffe vorhanden, die die Allergene sind. Und jetzt ist der erste Schritt der, dass der Mensch überhaupt mit dem Pollen in Berührung kommen muss. Und Pollen sind relativ groß, große Partikel. Sind mehr als 10 Mikrometer groß, 50 bis 100 Mikrometer. Und die atme ich nicht ein, sondern die bleiben in der Nase. Also, ich hole tief Luft. Und die Luft ist pollenhaltig. Dann werden diese Pollen in der Nase, wie wir sagen, deponiert. Und in der Nase treffen diese Pollen auf eine feuchte Schleimhaut. Und dieses bisschen Feuchte ist sozusagen das Signal für den Pollen, aus seinem Inneren heraus Proteine, also Eiweißstoffe freizusetzen, die dann als Allergene bei dem betreffenden Menschen wirken können."

nach oben

Welche neuen Erkenntnisse gibt es über die Mechanismen, die in einem solchen Moment ablaufen?
"Welche neuen Erkenntnisse gibt es über die Mechanismen, die in einem solchen Moment ablaufen?" als mp3-Datei
"Wir haben gefunden, dass während dieses Freisetzungsprozesses von Allergenen auch andere Stoffe freigesetzt werden aus dem Pollen, so genannte Lipide, also Abkömmlinge von Fettsäuren. Das sind keine Allergene, aber sie fördern die Allergien. Also sie verstärken sozusagen die Wirkung der Allergene dadurch, dass sie bestimmte Seitenmechanismen anschieben, dass ich stärkere Symptome entwickeln kann, dass die Allergie chronifiziert etc. Und wir haben diese Stoffe pollenassoziierte Lipid- (also Fett-), Mediatoren (also Botenstoffe) genannt - PALMs. Wir haben zwei verschiedene Grundtypen identifiziert: einmal solche PALMs, die eine entzündungsfördernde Wirkung haben. Und wir haben andere PALMs identifiziert, die das Milieu schaffen, dass ein Allergen erst wirklich im Immunsystem eine allergische Reaktion auslösen kann."

nach oben

Könnten diese Erkenntnisse denn bei der Therapie von Heuschnupfen helfen?
"Könnten diese Erkenntnisse denn bei der Therapie von Heuschnupfen helfen?" als mp3-Datei
"Zunächst kann man aus diesen Erkenntnissen der PALMs noch keine unmittelbaren Behandlungskonzepte entwickeln. Wir sind dabei zu diskutieren, ob man hier vielleicht neue therapeutische Konzepte entwickeln könnte im Sinne präventiver Aspekte. Indem ich sozusagen diese allergiefördernde Wirkung der PALMs minimiere."

nach oben