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Allergien: Jeden kann es treffen

Heidrun Behrendt

Gesprächspartnerin: Prof. Dr. Heidrun Behrendt, Leiterin der Klinischen Kooperationsgruppe Umwelt-Dermatologie und Allergologie (Helmholtz Zentrum München Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, Technische Universität München) und des Zentrums Allergie und Umwelt (Technische Universität München).

Alle Jahre wieder – immer während der Blütezeit – leiden Millionen unter Niesreiz, laufender Nase und Augenjucken. Die Diagnose: Heuschnupfen.

Landet nämlich Blütenstaub auf der Nasenschleimhaut, dann setzt er dort Eiweißstoffe aus seinem Inneren frei. Bei manchen Menschen können diese Eiweißstoffe als so genannte Allergene wirken. Sie lösen also eine Allergie aus, indem sie das Immunsystem der Betroffenen durcheinander bringen.

In der Klinischen Kooperationsgruppe "Umwelt-Dermatologie und Allergologie" des Helmholtz Zentrums München Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt untersuchen Wissenschaftler diesen Mechanismus schon seit längerer Zeit. Dabei ist ihnen eine überraschende Entdeckung gelungen - erklärt Prof. Heidrun Behrendt, die Leiterin der Kooperationsgruppe.

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Alle Jahre wieder – immer während der Blütezeit - leiden Millionen unter Niesreiz, laufender Nase und Augenjucken. Die Diagnose: Heuschnupfen. Landet nämlich Blütenstaub auf der Nasenschleimhaut, dann setzt er dort Eiweißstoffe aus seinem Inneren frei. Bei manchen Menschen können diese Eiweißstoffe als so genannte Allergene wirken. Sie lösen also eine Allergie aus, indem sie das Immunsystem der Betroffenen durcheinander bringen. In der Klinischen Kooperationsgruppe "Umwelt-Dermatologie und Allergologie" des Helmholtz Zentrums München Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt untersuchen Wissenschaftler diesen Mechanismus schon seit längerer Zeit. Dabei ist ihnen eine überraschende Entdeckung gelungen - erklärt Prof. Heidrun Behrendt, die Leiterin der Kooperationsgruppe.

O-TON Behrendt:
"Wir haben gefunden, dass während dieses Freisetzungsprozesses von Allergenen auch andere Stoffe freigesetzt werden aus dem Pollen, so genannte Lipide, also Abkömmlinge von Fettsäuren. Das sind keine Allergene, aber sie fördern die Allergien. Also sie verstärken sozusagen die Wirkung der Allergene dadurch, dass sie bestimmte Seitenmechanismen anschieben, dass ich stärkere Symptome entwickeln kann, dass die Allergie chronifiziert."

Diese Botenstoffe, die so genannten pollenassoziierten Lipidmediatoren oder kurz PALMs, könnten deshalb eines Tages für den Kampf gegen den Heuschnupfen interessant werden. Denn möglicherweise lässt sich bereits die Entstehung der Allergie verhindern, wenn man dafür sorgt, dass die PALMs ihre fatale Wirkung nicht entfalten können.Ärzte warten jedenfalls schon ungeduldig auf solche neuen Behandlungs-Strategien, denn die Zahl der Allergiker nimmt zu.

O-TON Behrendt:
"Es ist überhaupt keine Diskussion heute mehr, dass die Prävalenz von Allergien im Laufe des letzten Jahrhunderts drastisch angestiegen ist. Hier gibt es verschiedene Faktoren, die eine Rolle spielen. Vieles wird hier diskutiert. Das eine sind die Luftschadstoffe, die Umweltschadstoffe, die allergiefördernde Wirkung haben können. Das andere ist die so genannte Hygienehypothese, wie wir das nennen. Also dass die Kinder im frühen Kindesalter nicht mehr genügend ihr Immunsystem trainieren. So dass dann eben Allergien sich ausbreiten können."

Die Klinische Kooperationsgruppe, in der Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München mit Experten der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der TU München zusammenarbeiten, interessiert sich in diesem Zusammenhang speziell für den Einfluss der Umweltschadstoffe. Dazu zählen unter anderem Feinstaub und noch kleinere, ultrafeine Partikel. Tonnenweise gelangen sie durch Autoverkehr, Heizungen und Industrieanlagen in die Luft. Heidrun Behrendt und ihre Mitarbeiter haben untersucht, welche Wirkung die winzigen Teilchen entfalten, wenn wir sie einatmen.

O-TON Behrendt:
"Wir haben hier sehr klar zeigen können im Tiermodell, dass ultrafeine Partikel in der Lage sind, die Entwicklung einer Allergie zu fördern gegenüber einem klassischen Allergen; aber auch in der Lage sind, die Symptome zu verstärken. Und das ist besonders wichtig, weil sie in der Lage sind, die Symptome auch dann noch zu verstärken, wenn meine Exposition, gegenüber den ultrafeinen Partikeln vier Tage lang zurückliegt, bevor ich überhaupt mein Allergen sehe, gegen das ich allergisch bin."

Die Forscher haben aber auch ganz andere Aspekte im Blick, die das Allergieproblem verschärfen: etwa den Klimawandel. Er sorgt dafür, dass die Blütezeit der Pflanzen immer früher beginnt und immer später im Herbst endet, die Heuschnupfen-Saison sich also verlängert. Außerdem siedeln sich Pflanzen in unseren Breiten an, die bislang hier nicht heimisch waren. Aktuelles Beispiel: Ambrosia, das beifußblättrige Traubenkraut, das ursprünglich aus Nordamerika stammt. Es könnte mit seinem Pollen für viele neue Heuschnupfen- und Asthma-Fälle sorgen.

O-TON Behrendt:
"Wir wissen aus Amerika, dass Ambrosia-Allergene starke Allergene sind. D.h. es werden ein größerer Teil der Leute, die exponiert werden, dann auch eine Allergie entwickeln, als vielleicht gegenüber anderen allergenen Pflanzen. Das nennen wir starke Allergene. Und wir wissen auch aus Amerika und neuen Untersuchungen aus Italien, dass diese Sensibilisierung sehr schnell auch in Asthmaerkrankungen übergehen können. Also nicht nur stehen bleiben beim Spätsommer-Heuschnupfen, sondern sehr schnell auch ein asthmatische Komponente bekommen können."

Heidrun Behrendt lobt deshalb alle Bemühungen, eine weitere Ausbreitung der Pflanze zu verhindern. Schließlich hat die Allergologie hier die einzigartige Chance, vorbeugend tätig zu werden. Denn, bis wir hoffentlich einmal durch Medikamente verhindern können, dass eine Allergie überhaupt entsteht, müssen Einrichtungen wie die Klinische Kooperationsgruppe noch einiges an Forschung leisten. Und z.B. das Rätsel lösen, warum manche Menschen eine Allergie entwickeln, die meisten anderen aber nicht.