Dr. Hernán López-Schier

Den neuronalen Code knacken

Seh- und Hörkraft verschlechtern sich im Alter oftmals dramatisch.
Dr. Hernán López-Schier will die genetischen Geheimnisse der Sinneszellen lüften.

Dr. Hernán López-Schier


Dr. Hernán López-Schier, leitet seit Februar 2012 die selbstständigen Abteilung „Sensory Biology & Organogenesis“ am Helmholtz Zentrum München. Hier erforscht der Biologe wie die Haarzellen im Seitenlinienorgan des Zebrafischs Sinnesreize aufnehmen und wie das Gehirn sie verarbeitet. Und vor allem: was sie dazu veranlasst, sich binnen 48 Stunden zu reproduzieren, wo doch die Haarzellen im Hörorgan des Menschen absterben, ohne jemals nachzuwachsen. López-Schier fragte sich, ob es zwangsläufig so sein muss, dass bei zehn Prozent der Menschen in den entwickelten Ländern der Hör- und damit auch der Gleichgewichtssinn nachlässt. Bei über 80-jährigen Menschen ist fast jeder Zweite betroffen – mit manchmal tödlichen Unfällen als Folge.

Entscheid sind Verbindungen – neuronale und interdisziplinäre

López-Schier forscht an der Frage, wie neuronale Verbindungen im Gehirn entstehen und aufrechterhalten werden. Schon in drei Jahren will er eine Publikation vorlegen, in der er den Nutzen seiner Forschung für die menschliche Gesundheit darlegt – die  Translation von Grundlagenerkenntnissen in die medizinische Anwendung. Am HelmholtzZentrum München seien die Bedingungen dafür optimal: „Hier gibt es noch mehr neurobiologisches Know-how in Bezug auf die Stammzellenforschung als am Center for Genomic Regulation in Barcelona, an dem ich zuvor geforscht habe“. „Die intellektuelle Kapazität in Neuherberg ist beeindruckend.“

Sensomotorische Landkarte aus Codes

Herausgefunden hat López-Schier bislang unter anderem, dass im Gehirn über Codes eine „sensomotorische Landkarte“ entsteht, wie sie in etwa aussieht und welche neuronalen Verbindungen dafür verantwortlich sind. Er nutzt den Zebrafisch aber auch, um neue Erkenntnisse über die Volkskrankheit Diabetes mellitus zu gewinnen: López-Schier sucht im Fisch nach den Ursachen für die Degeneration des Nervensystems von Diabetikern. Für sein vielschichtiges und multidisziplinäres „Sensorineural“-Projekt hat ihn 2007 der European Research Council (ERC) auf fünf Jahre mit 1,1 Millionen-Euro ausgestattet.

Vita


  • 1968 geboren in Buenos Aires
  • 1988–1990 Studium der Biochemie am Institute of Higher Studies of Buenos Aires
  • 1990–1996 Studium der Biologie an der Universität in Buenos Aires
  • 1996 Gast-Fellow an der Rockefeller-Universität in New York, Abteilung für Entwicklungsgenetik
  • 1997–2002 Promotion an der University of Cambridge (GB)
  • 2002–2006 Postdoc an der Rockefeller-Universität in New York, Laboratory of Sensory Neuroscience
  • 2006–2011 Junior Group Leader, CDB, Centre de Regulació Genòmica, Barcelona
  • 2012 Leiter der selbstständigen Abteilung Sensory Biology & Organogenesis am Helmholtz Zentrum München.