Living Science – Jahresbericht 2011

Managing Science

Prof. Dr. Günther Wess Grundlagenforschung und Translation auf exzellentem Niveau.

Prof. Dr. Günther Wess Prof. Dr. Günther Wess, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz Zentrum München

Der vorliegende Jahresbericht zeigt die Breite und Diversität unserer Forschung. Gleichzeitig verdeutlicht er aber auch unser übergeordnetes Leitmotiv „Gesundheit und Umwelt“ (Environmental Health). Immer deutlicher wird, dass die großen Volkskrankheiten wie Diabetes, Lungenerkran­kungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs gerade durch das Zusammenwirken von genetischer Disposition, Umwelteinflüssen, Ernährung und Lebensstil wesentlich beeinflusst werden. Die Entwicklung neuer Ansätze für die Prävention oder für eine personalisierte Therapie erfordert daher ein verbessertes Verständnis dieser Zusammenhänge.

Wir sind sehr stolz, dass wir in diesem Zusammenhang unsere Diabetesaktivitäten ausbauen konnten. So haben wir mittlerweile vier Forschungsinstitute und zwei klinische Kooperationsgruppen, die auf diesem Gebiet arbeiten. Mit der Berufung von Prof. Dr. Matthias Tschöp auf dem Gebiet Diabetes und Adipositas, der als erster Mediziner den höchstdotierten internationalen Preis für Forschung in Deutschland – die Alexander-von-Humboldt-Professur – erhalten hat, und Prof. Dr. Heiko Lickert auf dem Gebiet der β-Zell-Regeneration wurden zukunftsweisende Richtungen eingeschlagen. Beide Berufungen erfolgten gemeinsam mit der Technischen Universität München.

Im November hat uns Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer eine Unterstützung von 20 Millionen Euro für den Bau eines Diabeteszentrums zugesagt. Mit Mitteln der Helmholtz-Gemeinschaft und des Bundes sowie eigenen Zentrumsmitteln wird daraus ein Gebäude für 50 Millionen Euro entstehen. Ebenfalls im Bereich Diabetes konnte ein neues Studienzentrum in München-Schwabing unter der Leitung von Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler eröffnet werden.

Auch in einem weiteren Zentrumsschwerpunkt, der Allergie- und Lungenforschung, freuen wir uns sehr über eine Verstärkung. Hier konnte Prof. Dr. Carsten Schmidt-Weber gemeinsam mit der Technischen Universität München berufen werden. Prof. Dr. Carsten Schmidt-Weber ist gleichzeitig Leiter des Munich Allergy Research Center (MARC).

Auf diesem Gebiet arbeiten Gesundheitsforschung und Umweltforschung bereits intensiv zusammen. Dies zeigt sich zum Beispiel im Forschungsprojekt HICE, in dem zusammen mit der Universität Rostock die Auswirkungen von Aerosolen aus anthropogenen Quellen auf biologische Systeme untersucht werden. Ein besonderer Aspekt in diesem Projekt ist die Untersuchung der möglichen Gesundheitseffekte von Aerosolen aus Quellen, die durch die Energiewende in Zukunft mehr Bedeutung erhalten werden.

Für Patienten, Angehörige und die interessierte Öffentlichkeit wurde im Juni 2011 der Lungeninformationsdienst ins Leben gerufen, der Informationen zu Diagnostik, Therapie und Prävention von Lungenerkrankungen bietet und aktuelle Forschungsergebnisse vorstellt – ein gelungenes Beispiel dafür, wie das am Zentrum gewonnene Wissen der Gesellschaft schnell zugänglich gemacht werden kann.

Wir forschen auf höchstem internationalen Niveau. Um dies nachhaltig sicherzustellen, haben wir im Sommer eine groß angelegte wissenschaftliche Begutachtung anhand höchster wissenschaftlicher Standards, wie sie zum Beispiel von den amerikanischen National Institutes of Health (NIH) angelegt werden, durchgeführt. 75 Gutachter aus 15 Nationen evaluierten in sieben Panels sämtliche Institute und Abteilungen des Zentrums und zeigten sich über das außergewöhnlich hohe Niveau von Forschungsqualität, fokussierter Zentrumsentwicklung und Ausbildungsprogrammen beeindruckt. Für ihre wertvollen Empfehlungen zur konkurrenzfähigen zukünftigen Entwicklung sind wir sehr dankbar und setzen diese in den nächsten Monaten und Jahren konsequent um, nicht zuletzt im Rahmen der dritten Periode der Programmorientierten Förderung (POF), die 2014 starten wird.

Besonders erfreut sind wir über die große Akzeptanz der Graduiertenschule HELENA, die in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Technischen Universität München betrieben wird. Die mittlerweile weit über 200 Doktoranden werden im Rahmen von persönlichen Thesis Committees individuell betreut.

Unsere Nachwuchsgruppen waren sehr erfolgreich, was sich auch in der Zahl der eingeworbenen Grants des European Research Council (ERC) widerspiegelt. Mit dem Starting Grant von Dr. Vigo Heissmeyer sind bis Ende 2011 insgesamt sechs dieser renommierten Förderungen am Zentrum.

Neben der Grundlagenforschung kümmern wir uns um die Verwertung unserer wissenschaftlichen Ergebnisse. Unsere Kompetenzen im Bereich Drug Development werden wir auch in Zukunft weiter ausbauen. Dafür haben wir 2011 die beiden neuen Abteilungen Innovationsmanagement und Translationale und Klini­sche Projekte gegründet und neue Prozesse der Antragstellung, Begutachtung, Bewilligung und des Projektmonitorings etabliert. Im Rahmen dieses Portfolioprozesses wurden bereits vielversprechende Entwicklungsprojekte und translationale Projekte am Zentrum zur Förderung ausgewählt. Darüber hinaus haben sich einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erfolgreich um Preise und Drittmittel für translationale Forschung bemüht.

Mit der eADMET GmbH und der iThera Medical GmbH wurden durch Förderungen im Rahmen der GO-Bio-Initiative des Bundes­ministeriums für Bildung und Forschung zwei neue Ausgründungs­vorhaben realisiert. Beide Start-up-Unternehmen erhielten zusätzliche Finanzmittel durch externe Investoren. Dr. Daniel Krappmann konnte 2011 Mittel aus dem Helmholtz-Validierungsfonds für die Entwicklung einer neuen Wirkstoffklasse gegen aggressive Lymphome einwerben. Zwei Wissenschaftler-Teams des Zentrums unter Leitung von Prof. Dr. Dolores Schendel (Individualisierte Krebstherapie) sowie Dr. Joel Schick (Therapie neurodegenerativer Erkrankungen) erhielten den mit je 500 000 Euro dotierten m4-Award des Bayerischen Wissenschaftsministeriums, mit dem kommerzialisierbare Projekte im Bereich der Personalisierten Medizin gefördert werden. Der Erwin-Schrödinger-Preis 2011 wurde an Prof. Dr. Vasilis Ntziachristos vergeben, der gemeinsam mit niederländischen Kollegen ein Tumorzell-Imagingverfahren für Operationen entwickelt hat.

Dieser Weg ist nur durch den Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zentrums und die Hilfe unseres Wissenschaftlichen Beirats und Aufsichtsrats möglich. Ihnen allen danke ich an dieser Stelle für die erfahrene Unterstützung sehr herzlich. Die in diesem Bericht beispielhaft ausgewählten Highlights aus der Wissenschaft und die vorgestellten Forscherpersönlichkeiten verdeutlichen die Symbiose von Management und Leidenschaft für die Wissenschaft, die unsere Forschung so erfolgreich macht.

Prof. Dr. Günther Wess

Wissenschaftlicher Geschäftsführer