News

Posttraumatische Belastungsstörung mit Typ-2-Diabetes assoziiert

Neuherberg, 16.05.2013. Das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung ist deutlich mit dem Auftreten eines Typ-2-Diabetes assoziiert. Dies fanden Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und des Universitätsklinikums Gießen und Marburg anhand von Daten einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie heraus. Als Ursache vermuten sie eine Aktivierung der hormonellen Stressachse durch permanente Stresssymptome. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift ‚Journal of Psychosomatic Research‘ veröffentlicht.

Bild: Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig; Dr. Karoline Lukaschek

Menschen, die eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) erleiden, haben ein erhebliches Risiko, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. PTBS bezeichnet eine Anpassungsstörung nach einem erlebten Trauma und führt zu massiven Stresssymptomen. Ein Zusammenhang zwischen Stressbelastung durch psychische Erkrankungen und Diabetes mellitus wird bereits seit längerem diskutiert, erstmalig konnten Dr. Karoline Lukaschek vom Institut für Epidemiologie II (EPI II) am Helmholtz Zentrum München (HMGU) und Prof. Johannes Kruse von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Gießen und Marburg und Kollegen nun eine deutliche Assoziation der beiden Krankheiten nachweisen.

Dazu analysierten sie die Daten der bevölkerungsbasierten Kohortenstudie KORA, die mittels standardisierter Befragung aller Teilnehmer sowie einem Glukosetoleranztest erhoben wurden. Insgesamt konnten 50 Teilnehmer ermittelt werden, die an einer PTBS litten sowie weitere 261, die die Symptome einer partiellen PTBS aufwiesen. Des Weiteren litten 498 Teilnehmer an einem manifesten Typ-2-Diabetes. Außerdem wiesen 333 Personen Zeichen einer prädiabetischen Stoffwechsellage  auf. Die Auswertung ergab eine deutliche Assoziation von Typ-2-Diabetes mit einer PTBS, während keine Häufungen eines Prädiabetes bei psychischer Belastung festgestellt wurden. Die Wissenschaftler vermuten, dass die chronische Stressbelastung, an der PTBS-Patienten dauerhaft leiden, zu Veränderungen in den hormonellen Reaktionsmustern führt. Dies kann einen krankmachenden Einfluss auf den Stoffwechsel und die Verwertung von Glukose haben. In folgenden Studien sollen nun die zeitlichen und kausalen Zusammenhänge weiter untersucht werden.

„Die Zusammenhänge zwischen psychischen Faktoren und Störungen des Stoffwechsels weiter aufzuklären wird eine wichtige zukünftige Aufgabenstellung in der Diabetesforschung sein“, so Prof. Karl-Heinz Ladwig, Arbeitsgruppenleiter am EPI II. „Bei Patienten mit PTBS und anderen psychischen Erkrankungen sollte jetzt schon die Behandlung von metabolischen Risikofaktoren Bestandteil der Therapie sein.“

Neue Ansätze für Diagnose, Therapie und Prävention der großen Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus zu entwickeln, sind Ziele des Helmholtz Zentrums München. Von der Volkskrankheit Diabetes mellitus sind in Deutschland fast zehn Prozent der Bevölkerung betroffen. Gefördert wurde die Studie wurde durch das Kompetenznetz Diabetes mellitus und das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD), in dem das Helmholtz Zentrum München Partner ist.

Weitere Informationen

Original-Publikation: 

Lukaschek, K. et al. (2013), Relationship between posttraumatic stress disorder and Type 2 Diabetes in a population-based cross-sectional study with 2970 participants, Journal of Psychosomatic Research, 74, 340-345

Link zur Fachpublikation

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.100 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 34.000 Beschäftigten angehören. Das Helmholtz Zentrum München ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e.V. www.helmholtz-muenchen.de 

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung e.V. bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Mitglieder des Verbunds sind das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, die Paul Langerhans Institute des Carl Gustav Carus Universitätsklinikums Dresden und der Eberhard-Karls-Universität Tübingen sowie die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. und die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz Antworten auf offene Fragen in der Diabetesforschung zu finden und einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung von Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. www.dzd-ev.de

Das Kompetenznetz Diabetes mellitus ist ein Forschungsnetzwerk, das seit 2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Mit über sechzig Experten widmet es sich dem Ziel, mehr Klarheit über die Prävention, Behandlung und Entstehungsbedingungen von Diabetes mellitus zu gewinnen. Dadurch könnte zukünftig die Erkrankung verhindert, verzögert oder eine bessere Versorgung der Bevölkerung gewährleistet werden. www.kompetenznetz-diabetes-mellitus.net 

Das Institut für Epidemiologie II (EPI II) erforscht die Zusammenhänge von Umwelt, Lebensstil und Genetik bei der Entstehung von Diabetes, Erkrankungen des Herzens und der Erhaltung der Gesundheit im Alter. Die Forschung stützt sich auf die einzigartigen bevölkerungsbasierten KORA-Ressourcen (Kohorte, Herzinfarktregister, Aerosol-Messstation). Folgestudien innerhalb der Kohorte ermöglichen die Untersuchung von Frühformen und Komplikationen ausgewählter chronischer Erkrankungen und deren Verbreitung in der Bevölkerung. 

Die Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg (KORA) untersucht seit über 20 Jahren die Gesundheit tausender Bürger aus dem Raum Augsburg. Ziel ist es, die Auswirkungen von Umweltfaktoren, Verhalten und Genen zu verstehen. Kernthemen der KORA-Studien sind Fragen zu Entstehung und Verlauf von chronischen Erkrankungen, insbesondere Herzinfarkt und Diabetes mellitus. Hierzu werden Risikofaktoren aus dem Bereich des Gesundheitsverhaltens (u.a. Rauchen, Ernährung, Bewegung), der Umweltfaktoren (u.a. Luftverschmutzung, Lärm) und der Genetik erforscht. Aus Sicht der Versorgungsforschung werden Fragen der Inanspruchnahme und Kosten der Gesundheitsversorgung untersucht. www.helmholtz-muenchen.de/kora

______________________________________________________________________________

Fachlicher Ansprechpartner

Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Institut für Epidemiologie II, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel.: 089-3187-3623 - E-Mail: