Pressemitteilung/News

Immunologie
05.04.2016

Nierenzellkarzinome – neue Marker, tiefere Einblicke

Bei der dritten Immunotherapy of Cancer Conference wurde Dr. Dorothee Brech vom Helmholtz Zentrum München, Core Facility Immunanalytik, für ihre Arbeiten über bislang unbekannte myeloische Zellen ausgezeichnet. Diese eignen sich unter anderem als prognostische Marker bei Nierenkrebs.

Dr. Dorothee Brech. Foto: Helmholtz Zentrum München

Dr. Dorothee Brech identifizierte einen neuartigen myeloischen Zelltyp*, der Marker von dendritischen Zellen (DC) und Makrophagen koexprimiert. „Diese Zellen wurden in besonders hoher Anzahl im humanen Nierenzellkarzinom gefunden und daher als ercDC (enriched-in-renal-carcinoma DC) bezeichnet“, sagt Professor Dr. Elfriede Nößner vom Helmholtz Zentrum München, Core Facility Immunanalytik. Brech forscht in ihrer Arbeitsgruppe als Postdoktorandin. Sie ist außerdem Mitglied der Core Facility Immunanalytik und des Graduiertenkollegs des SFB-TR36 „Adoptive T-Zelltherapie“.

Erfolgreiches Netzwerken

Nößner ergänzt: „Mit Hilfe einer breit angelegten Genexpressionsanalyse, die in Zusammenarbeit mit Martin Irmler vom Helmholtz Zentrum München und Tobias Straub von der LMU München durchgeführt wurde, konnten diese neuartigen Zellen innerhalb des mononukleären Phagozytensystems** genau positioniert werden.“ Weiterhin konnte Dorothee Brech den ercDC ein individuelles Genexpressionsprofil zuweisen, das sich von bisher beschriebenen myeloischen Zellen klar unterscheidet, gleichzeitig aber auch eine nahe Verwandtschaft zu Zellen im Ascites von Ovarialkarzinompatienten erkennen lässt. Eine Metaanalyse von über 470 Proben des klarzelligen Nierenzellkarzinoms (TCGA Datenbank, Cancer Genome Atlas), die das Stuttgarter Team um Prof. Dr. Matthias Schwab durchführte, ergab, dass ein hoher Anteil des ercDC Zelltyps mit schlechtem Patienten-Überleben einhergeht. Weitere identifizierte Eigenschaften geben Anlass zu der Vermutung, dass diese Zellen dazu beitragen, dass sich Tumoren dem Zugriff unseres Immunsystems entziehen. Für ihre Arbeit erhielt Dr. Dorothee Brech jetzt einen Posterpreis. „Weiterführendes Ziel ist es nun zu testen, ob die neu identifizierten Zielstrukturen therapeutisch nutzbar sind“, sagt Nößner.

Weitere Informationen

* Zellen des blutbildenden Systems

** Das mononukleär-phagozytäre System repräsentiert die Gesamtheit aller Körperzellen, die zur Phagozytose und Speicherung von Stoffen beziehungsweise Partikeln befähigt sind.

Die Arbeit wurde mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft SFB-TR36 und der Deutschen Krebshilfe durchgeführt. Sie war Bestandteil der naturwissenschaftlichen Doktorarbeit von Dorothee Brech

Kurzinformation zum Kongress: Die Immunotherapy of Cancer Conference ist das europäische Treffen der „Society Immunotherapy of Cancer (SITC)“. Der Kongress fand dieses Jahr zum dritten Mal vom 21. bis 23. März 2016 in den Räumlichkeiten des Klinikums Rechts der Isar der Technischen Universität München statt. Die Konferenz stellt eine interdisziplinäre Diskussionsplattform dar, bei der neue diagnostische Erkenntnisse sowie aktuelle Forschungsergebnisse zu immunmodulatorischen und immuntherapeutischen Strategien zur Behandlung maligner hämatologischer Systemerkrankungen und solider Tumoren an der translationalen Schnittstelle zwischen "Bench und Bedside"  erörtert werden.

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören.