Pressemitteilung/News

09.11.2016

Alzheimer-Demenz – hat Strahlung einen Einfluss?

Immer mehr Menschen setzen sich täglich durch Flugverkehr oder medizinischen Geräten ionisierender Strahlung aus. Nun belegt eine neue Studie, dass dies einen Einfluss auf die Entstehung von Alzheimer haben kann. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München haben in Kooperation mit Kollegen aus Dänemark, Italien und Japan in der Fachzeitschrift Oncotarget beschrieben, dass Strahlung eine molekulare Änderung im Hypocampus auslöst.

Quelle: Fotolia

„Immer mehr Menschen erkranken an Alzheimer – bis 2040 werden es weltweit bis zu 80 Millionen Menschen sein“, sagt Dr. Soile Tapio vom Institut für Strahlenbiologie am Helmholtz Zentrum München. „Daher ist es absolut wichtig, die potentiellen Faktoren, die hinter dieser Erkrankung stehen zu erforschen“, fügt sie hinzu. In der jetzt veröffentlichten Studie zeigen die Wissenschaftler, dass niedrige Dosen ionisierender Strahlung zu molekularen Veränderungen im Gehirn führen, die der Pathologie der Alzheimererkrankung gleichen und die kognitive Dysfunktionen hervorrufen können.

„Bei unseren Untersuchungen konnten wir feststellen, dass es im Modellorganismus durch niedrige Dosen ionisierender Bestrahlung über einen längeren Zeitraum zu molekularen Veränderungen im Hippocampus kam“, berichtet Dr. Stefan Kempf, Erstautor der Studie und Postdoc an der Syddanks Universitet in Dänemark. „Der Hippocampus ist eine wichtige Gehirnregion für das Lernen und Erinnern und es ist bekannt, dass diese Region bei Alzheimererkrankung in Mitleidenschaft gezogen ist“. Obwohl die Dosisrate der Bestrahlung im Versuch viel niedriger als bei der Bestrahlung während eines CT-Scans lag, war die Dauer der Bestrahlung wesentlich länger.

Viele Menschen allen Alters sind zunehmend Strahlung ausgesetzt. Das Einsetzen therapeutischer Radiologie, medizinische Therapien und auch vermehrte Flüge spielen dabei eine wesentliche Rolle. Derzeit werden etwa 62 Millionen CT-Untersuchungen pro Jahr in den USA durchgeführt. „Alle diese Ereignisse sind Niedrig-Dosis-Bestrahlungen“, so Tapio. „Solange man nur einer oder weniger ausgesetzt wird, dürfte die Beeinflussung nicht ins Gewicht fallen. Was uns beunruhigt ist, dass der moderne Mensch sich im Laufe seines Leben mehrfach solcher Strahlendosen aussetzt, und wir nichts über die Auswirkungen dieser angehäuften Strahlung aussagen können“.
Weitere Informationen  

Originalpublikation
Kempf S.J. et al. Chronic low-dose-rate ionising radiation affects the hippocampal phosphoproteome in the ApoE-/- Alzheimer's mouse model. Oncotarget, DOI:10.18632/oncotarget.12376
Link zur Originalpublikation

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören.

Im Zentrum der Forschung am Institut für Strahlenbiologie (ISB) stehen die Analyse der Wirkungen von Strahlenexposition im Niedrigdosisbereich und Untersuchungen zur Steigerung der Effektivität und Spezifität der Strahlentherapie von Tumoren. Die Forschungsgruppen untersuchen strahlenbiologische Effekte im Gewebe auch vor dem Hintergrund genetischer Prädisposition und individueller Faktoren, um den medizinischen Einsatz von Strahlung zu optimieren. Das ISB gehört dem Department of Radiation Sciences (DRS) an.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:


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