Pressemitteilung/News

Gesundheitsökonomie
29.03.2017

Bundesregierung fördert Versorgungsforschung

Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München erhalten circa 1,4 Millionen Euro Fördermittel für Projekte der Versorgungsforschung. Im Rahmen des Innovationsfonds* untersuchen sie die Versorgungsituation bei Lungenerkrankungen und psychischen Störungen. Zudem befassen sie sich im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) mit dem Thema Mobilität im Alter.

Staatssekretäre Annette Widmann-Mauz und Lutz Stroppe, Spitzen der Gesetzlichen Krankenversicherung, der Krankenhäuser und des Gemeinsamen Bundesausschusses sowie Vertreter/innen der Versorgungsforschungsprojekte. Quelle: BMG/Pauls

Um die Gesundheitsversorgung in Deutschland zukunftsgerichtet zu gestalten, hat die Bundesregierung den sogenannten Innovationsfonds aufgelegt. Er wird von 2016 bis 2019 jährlich mit 300 Millionen Euro ausgestattet und besteht aus zwei Teilen: 225 Millionen Euro fließen in die Förderung neuer Versorgungsformen wie beispielsweise den Ausbau der Telemedizin. Die weiteren 75 Millionen Euro werden für Vorhaben der Versorgungsforschung zur Verfügung gestellt.

Dabei sind auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Helmholtz Zentrum München um Prof. Dr. Reiner Leidl mit zwei Projekten beteiligen. Der Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen (IGM) und sein Team erhalten dafür vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) etwa 1,1 Millionen Euro.

Das erste Projekt dreht sich um die Versorgung von Patienten, die an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) leiden. Es geht zurück auf Vorarbeiten im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) und soll sich mit der Lebensqualität der Betroffenen in strukturierten Behandlungsprogrammen, sogenannten Disease-Management-Programmen (DMPs), befassen. „Die gesundheitsbezogene Lebensqualität ist eine zentrale Zielgröße der DMPs“, so Projektleiter Leidl. „Allerdings wird sie bislang nur stichprobenartig erfasst und ihr Zusammenhang mit Versorgungsverläufen ist kaum erschlossen. Unser Forschungsprojekt untersucht am Beispiel des DMP COPD, inwieweit dieses Behandlungsprogramm dadurch verbessert werden kann, dass die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Betroffenen als Versorgungsziel gemessen und berücksichtigt wird.“**

Im Erfolgsfall erlauben die Erkenntnisse Rückschlüsse darüber, welche Maßnahmen und Verhaltensweisen die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Menschen mit COPD nachhaltig beeinflussen, und bei welchen Teilnehmergruppen des DMP sich Hinweise darauf finden lassen, ob Ansatzpunkte zu einer weiteren Verbesserung der Versorgung bestehen. Das Konzept eines Krankheitsmanagements, das sich an der gesundheitsbezogenen Lebensqualität der Betroffenen ausrichtet, ließe sich prinzipiell auch auf andere Behandlungsprogramme etwa bei Diabetes, Herzkreislauferkrankungen oder Asthma übertragen, so die Forscher. Das zweite aus dem Innovationsfonds geförderte Projekt zielt auf die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Auffälligkeiten. Dabei sollen IGM-Forscher die Auswirkungen standardisierter Behandlungsabläufe auf die Versorgung, insbesondere auf ihre Kosten untersuchen.

Ergänzend zu den Innovationsfondsprojekten werden sich die Wissenschaftler im Auftrag des BMBF mit der Mobilität von älteren Menschen mit Hüft- beziehungsweise Knieersatz beschäftigen. Dabei soll vor einem möglichen Eingriff wiederum die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Patienten gemessen und in die gemeinsame Entscheidung mit dem Arzt über die weitere Behandlung eingebracht werden. Dem IGM werden hierfür rund 300.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Bei allen drei Projekten kooperieren die Helmholtz-Forscher eng mit der Praxis, namentlich der AOK Bayern, der Vertragsarbeitsgemeinschaft der Betriebskrankenkassen und mit verschiedenen Kliniken. Das zweite und dritte Projekt werden von Frau Prof. Dr. Eva Grill, Medizinische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) geleitet. Leidl koordiniert neben seiner Tätigkeit am Helmholtz Zentrum München auch das Münchner Zentrum für Gesundheitswissenschaften (MC-Health) an der LMU. Wissenschaftler dieser Einrichtung haben sich insgesamt erfolgreich um Innovationsfonds Projekte beworben: „Die Mitglieder von MC-Health konnten acht Vorhaben und Beteiligungen aus dem Innovationsfonds einwerben. Das ist ein tolles Signal für unseren Standort und zeigt, dass wir hier in der ersten Liga mitspielen.“

Weitere Informationen

* Der Innovationsfonds ist ein gesundheitspolitisches Instrument zur Förderung der Integrierten Versorgung und Versorgungsforschung in Deutschland. Integrierte Versorgung ist die Idee einer neuen „sektorenübergreifenden“ Versorgungsform im Gesundheitswesen. Sie fördert eine stärkere Vernetzung der verschiedenen Fachdisziplinen und Sektoren (Hausärzte, Fachärzte, Krankenhäuser), um die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern und gleichzeitig die Gesundheitskosten zu senken.

** Dazu werden die Wissenschaftler die Lebensqualität bei den DMP-Teilnehmern der AOK Bayern erheben und untersuchen, wie diese durch Versorgungsmaßnahmen und das Selbstmanagement der Betroffenen beeinflusst wird. Auch andere Faktoren wie Alter oder Begleiterkrankungen werden dabei berücksichtigt. Die Versorgung wird über Abrechnungsdaten der Krankenkasse und weitere Dokumentationen im Rahmen des DMP erfasst. Zudem wird geprüft, ob die Lebensqualität im Rahmen von Behandlungsprogrammen der gesetzlichen Krankenversicherung regelmäßig erhoben werden könnte, und welche Bedeutung die Projektergebnisse aus Sicht der Ärzte und Krankenkassen für die Versorgungspraxis haben. Das Projekt wird für drei Jahre mit insgesamt 786.980 Euro gefördert.

Hintergrund:
Der Innovationsfonds finanziert sich aus Mitteln der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und ist beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) angesiedelt. Er ist als Förderinstrument mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz geschaffen worden, um die Gesundheitsversorgung in Deutschland weiterzuentwickeln. Über die Förderung entscheidet der Innovationsausschuss. Er setzt sich aus zehn Mitgliedern zusammen, die die verschiedenen Organisationen der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen repräsentieren. Außerdem sind das Bundesministerium für Gesundheit und das Bundesministerium für Bildung und Forschung vertreten. Die Patientenvertretung ist über ein Mitberatungs- und Antragsrecht eingebunden. Ein zehnköpfiger Expertenbeirat, berufen vom Bundesminister für Gesundheit, berät den Innovationsausschuss und gibt Empfehlungen zur Förderung ab. Quelle: Bundesministerium für Gesundheit: Innovationsfonds: Motor für bessere Patientenversorgung, Mitteilung vom 23. Januar 2017.



Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören.

Das Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen (IGM) untersucht Ansätze zur Verbesserung der Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit der Gesundheitsversorgung. Das Gesundheitssystem steht vor der Herausforderung, allen Bürgern eine qualitativ hochwertige und finanziell tragbare medizinische Versorgung zu gewährleisten. Der rasche medizinisch-technische Fortschritt und die demographischen Veränderungen verschärfen das beschriebene Spannungsverhältnis. Eine fundierte Evaluation der Strukturen und Prozesse der gesundheitlichen Versorgung unter den Gesichtspunkten von Effektivität und Effizienz ist eine unabdingbare Voraussetzung für rationales Handeln.