Pressemitteilung/News

Membran- und Stoffwechselforschung
31.01.2018

Neue Methode quantifiziert Lipidflux in Membranen

Die Komponenten der Zellmembran unterliegen einem ständigen Wandel, um auf veränderte Umweltbedingungen zu reagieren. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck Instituts für Zellbiologie und Genetik und des Helmholtz Zentrums München haben im Fachmagazin ‚Analytical Chemistry‘ eine Methode vorgestellt, die es erstmals ermöglicht, aus dem Gesamtextrakt die absolute Menge und die Umsatzgeschwindigkeit einzelner Fettsäuren zu bestimmen.

Modell einer reinen Lipidmembran

Modell einer reinen Lipidmembran. ©Helmholtz Zentrum München/Dr. Ünal Coskun

Während moderne Massenspektrometriemethoden zwar die Quantifizierung der gesamten Lipidzusammensetzung ermöglichen, war die Bestimmung des zeitabhängigen Lipidumsatzes bisher nicht durchführbar. Daher besteht ein Bedarf an generischen und zugänglichen analytischen Werkzeugen, die die Quantifizierung des vollständigen Lipidoms bei gleichzeitiger Überwachung des Umsatzes einzelner Lipide, des so genannten Flux, kombinieren.

Forschenden des Max-Planck-Instituts für Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) und des Instituts für Pankreatische Inselzellforschung (IPI) des Helmholtz Zentrum München in Dresden ist es in enger Zusammenarbeit mit Kollegen der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) gelungen, eine ultrahochauflösende Massenspektrometriemethode (shotgun ultra-high-resolution MS, sUHR) zu entwickeln, die es erstmals ermöglicht, die absolute Menge und gleichzeitig die Umsatzgeschwindigkeit von Lipidspezies direkt aus Gesamtlipidextrakten quantitativ zu bestimmen.

Lipidmuster sind mit Gesundheitszuständen korrelierbar

„Obwohl die derzeit existierenden analytischen Technologien die wichtigsten Lipide bereits in einer Momentaufnahme quantifizieren konnten, war es schwierig, die ablaufenden Lipidumformungsprozesse zu untersuchen, da sich dabei ihre Gesamtmenge nicht verändert", erklärt Dr. Andrej Shevchenko, Gruppenleiter am MPI-CBG. "Deshalb haben wir gemeinsam mit Dr. Ünal Coskun am IPI eine einfache und effiziente Methode zur Überwachung der Lipiddynamik mittels ultrahochauflösender Massenspektrometrie entwickelt".

„Wenn wir an Lipide denken, denken wir intuitiv an Fette aus der Nahrung, die mit Fettleibigkeit und verschiedenen Krankheiten wie beispielsweise Diabetes in Zusammenhang stehen. Oder wir denken an die wenigen zur Verfügung stehenden klinischen Marker, wie Cholesterin, Triglyceride und Lipoproteinpartikel", erläutert Dr. Ünal Coskun. Die Lipidwelt ist jedoch komplexer. Zellen synthetisieren und wandeln mehrere tausend verschiedene Lipide um. Darüber hinaus sind Membranlipide für die direkte Regulation von Membranrezeptoren und deren zelluläre Signalwirkung von größter Bedeutung. „Im Wesentlichen ist das zelluläre Leben ohne Membranlipide undenkbar. Diese neue Methode erlaubt es uns erstmals, jedes nachweisbare Lipid quantitativ zu verfolgen und mit Gesundheits- und Krankheitszuständen zu korrelieren. Der quantitative Charakter der Methode ist dabei entscheidend für die Standardisierung und somit für den zukünftigen Einsatz im klinischen Umfeld“, resümiert Dr. Coskun.

Weitere Informationen

Hintergrund:
Grundsätzlich funktioniert die Methode wie folgt: Zellen werden mit biosynthetischen Vorläufern gängiger Lipidklassen versetzt, die mit Hilfe von 15N-Isotopen anstelle von 14N-Isotopen synthetisiert werden. Wenn diese mittels Isotopen markierten Vorläufer während der Biosynthese in Lipide eingebaut wurden, erhöht sich die Masse der dadurch markierten Lipide um 1 Dalton, weil sie 15N-Atome anstelle von 14N-Atome enthalten. Obwohl dieses Kennzeichnungsverfahren effizient und einfach ist, wurde es in der analytischen Praxis bislang nur spärlich eingesetzt. Lipide, die künstlich mit 15N-Isotopen markiert wurden, haben dieselben Massen wie Lipide, die 13C enthalten - ein bekanntes natürliches Isotop des Kohlenstoffs. Unabhängig davon, welches Isotop das entdeckte Lipid enthielt, 13C- oder 15N-, so unterschied sich seine Gesamtmasse um das gleiche 1 Dalton von der Masse des nativen (unmarkierten) Lipidmoleküls. Das ultrahochauflösende Massenspektrometer ist jedoch in der Lage, den winzigen Unterschied von 0,0063 Dalton in Isotopenmassen zu erkennen und 15N markierte Lipide unabhängig von nicht markierten Molekülen, die natürliche 13C-Isotope enthalten, zuverlässig zu detektieren und zu quantifizieren. Durch die Verwendung verschiedener 15N markierter Lipidvorläufer können die Wissenschaftler nun die Inkorporationsraten von 15N-Atomen in einzelne Moleküle der wichtigsten Lipidklassen innerhalb einer einzigen Analyse quantifizieren.

Original-Veröffentlichung:
Schuhmann et al. (2017): Monitoring Membrane Lipidome Turnover by Metabolic 15N Labeling and Shotgun Ultra-High-Resolution Orbitrap Fourier Transform Mass Spectrometry. Analytical Chemistry, DOI: 10.1021/acs.analchem.7b03437

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus, Allergien und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.500 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 19 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. 

Das Institut für die Erforschung Pankreatischer Inselzellen (IPI) erforscht die Krankheitsursachen des Diabetes mellitus Typ 1, Typ 2 sowie des Schwangerschaftsdiabetes. Dabei sorgen zerstörte oder in ihrer Funktion eingeschränkte Betazellen für einen erhöhten Blutzuckerspiegel. Die Wissenschaftler des IPI/PLID arbeiten daran die Mechanismen zu entschlüsseln, die die Zerstörung und/oder Funktionseinschränkung der Betazellen bedingen und versuchen darüber hinaus neue Ansätze zu entwickeln um die geschädigten bzw. zerstörten Betazellen zu ersetzen.

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