Pressemitteilung/News

Personalie
26.02.2018

Prof. Dr. Jakob Linseisen leitet neue Selbstständige Forschungsgruppe Klinische Epidemiologie

Seit Januar 2018 leitet Prof. Dr. Jakob Linseisen die „Selbstständige Forschungsgruppe Klinische Epidemiologie“ am Helmholtz Zentrum München (HMGU) – eine neue Organisationsform, die nun erstmals als Pilot etabliert wird.

Prof. Dr. Jakob Linseisen ©Inge Kirchberger

Stand bei Linseisen bislang die Primärprävention im Vordergrund, so rückt bei seiner zukünftigen wissenschaftlichen Arbeit der Patient stärker in den Fokus. „Uns interessiert vor allem die Frage: Wie kann man die Entstehung von Krankheiten und deren Fortschreiten verhindern oder verlangsamen?“ beschreibt Linseisen ganz grundlegend die Motivation seiner Forschung, deren zentraler Aspekt das Zusammenspiel zwischen Lebensstilfaktoren, Stoffwechsel und der Entstehung bzw. dem Verlauf chronischer Erkrankungen ist.

Die neue Gruppe „Klinische Epidemiologie“ wird hierfür eng mit dem auch von Linseisen geleiteten Lehrstuhl für Epidemiologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) zusammenarbeiten. Dieser ist Teil des Universitären Zentrums für Gesundheitsforschung am Klinikum Augsburg, kurz UNIKA-T, und etabliert derzeit in der Studienregion Augsburg seine patientenorientierte epidemiologische Forschung. So können nicht nur die Daten der bisherigen Kohortenstudien (z. B. KORA, NAKO) des Helmholtz Zentrums in die Arbeit der Gruppe einfließen, sondern auch neu erhobene, umfangreiche Informationen und standardisierte Biomaterialien verschiedener Patientengruppen.

Ein wichtiges Ziel der Forschergruppe um Linseisen ist die genaue Charakterisierung (deep phenotyping) von Hochrisikopersonen und Patienten, die an Diabetes und anderen Stoffwechselkrankheiten leiden. Außerdem sollen zur Validierung neuer Präventionskonzepte Interventionsstudien durchgeführt sowie epidemiologische Register aufgebaut werden, die den Fortschritt in Prävention, Therapie und Prognose ausgewählter Krankheiten dokumentieren.

Im Rahmen von Patientenkohorten können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den langfristigen Krankheitsverlauf und die medizinische Inanspruchnahme erfassen. „Durch die neue Forschungsgruppe und die Zusammenarbeit mit der LMU haben wir in der Studienregion Augsburg die Chance, einzigartige epidemiologische Forschung zu betreiben. Wir kennen die Bevölkerung bereits aus den Daten der Kohortenstudien und werden nun zusätzlich ausgewählte Patientengruppen umfangreich beschreiben und langfristig beobachten können“, erklärt Linseisen. „Neue Präventionsansätze, die z. B. am Helmholtz Zentrum in München entwickelt werden, können so rasch in der Praxis erprobt werden. Die enge Zusammenarbeit mit den epidemiologischen Instituten und Arbeitsgruppen am HMGU wird dabei von besonderer Bedeutung sein“, führt er weiterhin aus.

Linseisen leitete bislang die Arbeitsgruppe „Nationale Kohorte“ (NAKO) am Institut für Epidemiologie des HMGU. Die „NAKO Gesundheitsstudie“ ist die derzeit größte Langzeit-Bevölkerungsstudie in Deutschland, die Ursachen, Risikofaktoren, Vorbeugung und Früherkennung weit verbreiteter Volkskrankheiten untersucht. An der Planung dieses Großprojekts war er von Beginn an maßgeblich beteiligt und er etablierte das NAKO-Studienzentrum des HMGU am Klinikum Augsburg. Seit Oktober 2016 leitet Linseisen den Lehrstuhl für Epidemiologie der LMU am UNIKA-T in Augsburg. Zudem ist er seit 2016 Vizepräsident des wissenschaftlichen Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).