Pressemitteilung/News

Massenspektrometrie
12.02.2020

CLINSPECT-M: Neues klinisches Massenspektrometriezentrum für molekulare Hirnforschung

Münchner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Proteomik, Informatik und Medizin erforschen in einem gemeinsamen Großprojekt die Ursachen von Erkrankungen des zentralen Nervensystems, deren Diagnostik und Behandlungsverläufe. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert dazu ein klinisches Massenspektrometrie-Zentrum in München, CLINSPECT-M, für zunächst drei Jahre mit 6 Millionen Euro.

Massenspektrometer: © Wolfgang Filser / TUM

 

Ziel des Projekts ist es, schwere neurologische Erkrankungen zu erkennen, deren molekulare Ursachen zu verstehen und die Behandlung und den Therapieverlauf besser zu überwachen. Die Massenspektrometrie soll dabei einen entscheidenden Beitrag leisten. Mit ihr wollen die Forschenden kleinste Mengen von tausenden von Biomolekülen aus Geweben oder Körperflüssigkeiten gleichzeitig und quantitativ bestimmen. Derartige molekulare Profile für Proteine sollen erstmals in den klinischen Einsatz gebracht werden.

Neue Erkenntnisse zur Diagnose und Kontrolle von Krankheiten

München ist ein deutschlandweit führendes Zentrum der Neurowissenschaften. In dem neuen Forschungsverbund wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen, dass die massenspektrometrische Protein-Analytik zur Entdeckung von klinisch verwertbaren Biomarkern geeignet ist.

Expertise des Helmholtz Zentrums München gefragt

Neben der TUM als Hauptkoordinator, dem Universitätsklinikum rechts der Isar, der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) mit Universitätsklinikum und dem Max-Planck-Institut für Biochemie ist auch das Helmholtz Zentrum München beteiligt. Das Helmholtz Zentrum München wird die komplexen Prozesse der Probenverarbeitung sowie neuartige Verfahren für die massenspektrometrische Messung und Datenanalyse entwickeln und optimieren. Darüber hinaus werden lokale und nationale Ringversuche für Clinspect-M am Helmholtz Zentrum München koordiniert.

Alles dreht sich ums Gehirn

Clinspect-M bearbeitet vier große medizinische Anwendungsbereiche:

  • Multiple Sklerose: Proteinprofile der Knochenmarkflüssigkeit von 4.000 Patientinnen und Patienten sollen Medizinerinnen und Medizinern helfen, krankheitsspezifische Fingerabdrücke zu finden, die in der klinischen Diagnostik eingesetzt werden können.
  • Alzheimer’sche Krankheit: Anhand klinischer Studien mit hunderten Patienten sollen Biomarker gefunden werden, die anzeigen ob ein Medikament anschlägt, oder nicht.
  • Schlaganfall: Die Untersuchung tausender Patientenproben soll Proteine identifizieren, die Schädigungen des Gehirns durch einen Schlaganfall anzeigen und von anderen Ursachen abgrenzen.
  • Hirntumore: Hier werden hunderte Krebspatienten mit dem Ziel untersucht, molekulare Angriffspunkte für eine personalisierte Therapieentscheidung zu finden.

Weitere Informationen

Das BMBF fördert mit seiner Initiative „Forschungskerne für Massenspektrometrie in der Systemmedizin“ die Umsetzung neuester Technologien in die medizinische Praxis. In einem hoch kompetitiven Verfahren wurden unter ca. 30 Antragstellern vier Konsortien aus München, Berlin, Heidelberg und Mainz ausgewählt. Neben der BMBF-Förderung fließen in das Projekt auch Mittel des Freistaats Bayern, der TUM und der LMU.

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus, Allergien und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.500 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 19 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. 

Die Technische Universität München (TUM) ist mit rund 550 Professorinnen und Professoren, 41.000 Studierenden sowie 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine der forschungsstärksten Technischen Universitäten Europas. Ihre Schwerpunkte sind die Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften und Medizin, verknüpft mit den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Die TUM handelt als unternehmerische Universität, die Talente fördert und Mehrwert für die Gesellschaft schafft. Dabei profitiert sie von starken Partnern in Wissenschaft und Wirtschaft. Weltweit ist sie mit dem Campus TUM Asia in Singapur sowie Verbindungsbüros in Brüssel, Kairo, Mumbai, Peking, San Francisco und São Paulo vertreten. An der TUM haben Nobelpreisträger und Erfinder wie Rudolf Diesel, Carl von Linde und Rudolf Mößbauer geforscht. 2006 und 2012 wurde sie als Exzellenzuniversität ausgezeichnet. In internationalen Rankings gehört sie regelmäßig zu den besten Universitäten Deutschlands. 

Die LMU ist eine der führenden Universitäten in Europa mit einer über 500-jährigen Tradition. Sie bietet ein breites Spektrum aller Wissensgebiete – die ideale Basis für hervorragende Forschung und ein anspruchsvolles Lehrangebot. Es reicht von den Geistes- und Kultur- über Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bis hin zur Medizin und den Naturwissenschaften. 15 Prozent der 50.000 Studierenden kommen aus dem Ausland – aus insgesamt 130 Nationen. Das Know-how und die Kreativität der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bilden die Grundlage für die herausragende Forschungsbilanz der Universität. Der Erfolg der LMU in der Exzellenzinitiative, einem deutschlandweiten Wettbewerb zur Stärkung der universitären Spitzenforschung, dokumentiert eindrucksvoll die Forschungsstärke der Münchener Universität.