Teilkörperdosimetrie

Informationen zur Augenlinsendosimetrie

  

Bildquelle: MAVIG GmbH / Strahlenschutzbrillen

 

Mit der Umsetzung der EURATOM Grundnorm und dem neuen Strahlenschutzgesetz (§78,Abs.2, Punkt 1) wird seit dem 31.12.2018 der Jahresgrenzwert für die Augenlinsendosis von derzeit 150 mSv auf 20 mSv reduziert.

Die Reduzierung ist eine Folge neuer Erkenntnisse zum Auftreten einer strahleninduzierten Katarakt („Grauer Star“) und deren Entstehung. Als Folge werden, insbesondere in der interventionellen Radiologie und der Kardiologie, viele Arbeitsplätze auf ein mögliches Expositionsrisiko hin untersucht und vermessen werden und in vielen Fällen eine monatliche Überwachung der Augenlinsendosis notwendig werden. Dies kann aber auch andere Tätigkeiten in Industrie, Forschung und Medizin betreffen, wie die Nuklearmedizin oder die Tiermedizin.

Welche Arbeitsplätze und Tätigkeiten sind betroffen?

Leider zeigen alle bisherigen nationalen und internationalen Studien zu diesem Thema, dass es keine eindeutige Zuordnung der Höhe der Linsenexposition zu einer bestimmten Tätigkeit gibt. Besonders in den radiologischen Anwendungen, entscheiden vor allem der örtliche Strahlenschutz, die Nutzung der persönlichen Schutzausrüstung (PSA)*, die Bauweise der genutzten Anlagen, die Berufserfahrung des Arztes und andere individuelle Parameter über die Höhe der Augenexposition bei einem Eingriff. Generell kann man aber die Aussage treffen, dass bei richtiger Nutzung der PSA (Schutzbrille etc.) eine Überschreitung des neuen Grenzwertes für die Augenlinsendosis nicht auftreten sollte. Die Ergebnisse aus den Studien zu den betroffenen Arbeitsplätzen und Tätigkeiten lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Kerntechnik

Hier sind bisher keine Überschreitungen des Augenlinsengrenzwertes zu erwarten. Die Augenlinsendosis lässt sich in nahezu allen Tätigkeitsbereichen mit den normalen Personendosimetern kontrollieren. Betastrahlung wird von den Schutzgläsern der Schutzausrüstung effektiv von den Augen abgeschirmt.

Nuklearmedizin

Hier sind Expositionen mit Gammastrahlung (zB. 99mTc), hochenergetischen Betastrahlern (zB. 90Y) und Positronenstrahlern (zB. 68Ga, 18F), möglich. Niederenergetische Betastrahler lassen sich effektiv mit den vorhandenen Laborschutzbrillen abschirmen, hochenergetische Betastrahler und Photonenstrahler wie 99mTc mit Bleiglasbrillen. Hochenergetische Gammastrahlung, auch im Bereich des PET (511 keV), lässt sich mit Schutzbrillen nicht abschirmen. Jedoch konnten in keiner der bisher veröffentlichten Studien Jahresdosen gemessen oder hochgerechneten werden, die über oder nahe dem neuen Jahresgrenzwert liegen.

Interventionelle Radiologie

In der interventionellen Radiologie können in allen angewendeten Verfahren Überschreitungen des neuen Jahresgrenzwertes von 20mSv/a vorkommen. Zwar liegen die meisten Tätigkeiten weit unter dem Grenzwert, jedoch unterscheiden sich die gemessenen Expositionen beim selben Verfahren oft um einen Faktor 100 oder mehr, je nach den individuellen Faktoren (insbesondere der verwendeten Strahlenschutzmittel – PSA oder ortsfest). Aus diesem Grund ist eine Arbeitsplatzmessung oder zumindest zeitweise Überwachung des Personals anzuraten und gefordert.

Folgende Einzelanwendung zeigen sich dabei als teilweise besonders dosisintensiv: Embolisationen, PTA/PTCA, TIPS, ERCP, RFA etc.

Kardiologie

Hier ist die Situation analog zu Expositionen in der interventionellen Radiologie. Eine individuelle Arbeitsplatzmessung oder zeitweise Personenüberwachung ist zur Dosisabschätzung und Risikobeurteilung empfohlen (z.B. PM/ICD).

Chirurgie

Hier gibt es bisher keine validen Daten, jedoch sollten auch hier insbesondere in der Unfallchirurgie temporäre Messungen zur Risikoabschätzung durchgeführt werden.

Tiermedizin

Hier gibt es noch nicht viele Daten, jedoch zeigen erste Untersuchungen Hinweise auf ähnliche Probleme wie in der Human-Radiologie.

Industrie/Forschung

Hier gibt es bisher keine Hinweise, dass es zu größeren Expositionen oder Überschreitungen des Grenzwertes der Augenlinsendosis kommen kann.

*Persönliche Schutzausrüstung

Das Tragen der PSA insbesondere von Strahlenschutzbrillen hat den größten Einfluss auf die Reduzierung der Augenlinsendosis. Dabei zeigt sich, dass ein Pb-Gleichwert von 0,5 mm der Schutzgläser bestmöglichen Schutz bringt, eine Erhöhung bringt keine verbesserte Schutzwirkung. Wesentlich dabei ist die Größe des abgeschirmten Gesichtsbereiches, insbesondere der Schläfen.

Wann macht eine regelmäßige Überwachung der Augenlinsendosis Sinn?

Der neuen Strahlenschutzverordnung entsprechend, ist eine Überwachung vorgeschrieben falls eine 15 mSv Organ-Äquivalentdosis für die Augenlinse im Kalenderjahr möglich ist. Zudem ist der Jahresgrenzwert von 20 mSv einzuhalten.

Bei richtiger Nutzung der persönlichen Schutzausrüstung (PSA), wie zum Beispiel durch Abschirmungen anhand von Strahlenschutzbrillen oder Visieren, sollte eine Überschreitung des neuen Jahresgrenzwertes nicht auftreten.  

Eine Abschätzung darüber, ob eine regelmäßige Überwachung der Augenlinsendosis in Ihrem Betrieb Sinn macht oder nicht, können Sie anhand von Erhebungsmessungen erhalten (siehe: „Wie kann eine Erhebungsmessung durchgeführt werden?“)

Wie kann eine Erhebungsmessung durchgeführt werden?

Um festzustellen und abzuschätzen welche Arbeitsplätze letztendlich für eine Überwachung der Augenlinsendosis relevant werden, bietet die Auswertungsstelle die Möglichkeit von Erhebungsmessungen mittels spezieller Adaptoren (Stirnband) an. Diese werden ab 2019 bereits mit Dosimetern der Messgröße Hp (3) angeboten und durchgeführt. Die Messgröße Hp (3) ist die gemäß der neuen Strahlenschutzverordnung bestimmte Messgröße der Augenlinsen-Personendosis.

Für geplante Erhebungsmessungen kontaktieren Sie bitte unseren Kundenservice, Tel. +49 89 3187 – 2220, E-Mail: awst-servicenoSp@m@helmholtz-muenchen.de.

Nach Feststellung Ihres Dosimeter Bedarfs (Anzahl) und des Messzeitraumes, kann Ihnen dann ein individuelles Angebot erstellt werden.

Wie kann eine regelmäßige Überwachung der Augenlinsendosis künftig durchgeführt werden?

Die Auswertungsstelle bietet im Laufe des Jahres 2019 eine neue Lösung zur Augenlinsendosimetrie an. Das neue Dosimeter, ist in dafür eigens von der Fa. MAVIG entwickelten Strahlenschutzbrillen integrierbar. Alternativ kann es mittels verschiedener Adaptoren getragen werden, z.B. mit Klebeadaptor oder Stirnband.

Der Einsatz als amtliches Dosimetrie System ist vorgesehen, sobald die Baumusterprüfung durch die PTB Braunschweig im Laufe des Jahres 2019 erfolgt ist.

Informationen zu den Beschaffungsmodellen (ohne Schliff, einfacher Einschliff, Gleitsicht) und Preisen der Strahlenschutzbrillen  (Miete, Kaufpreis)  sowie zu den Adapter-Alternativen folgen im Lauf der nächsten Wochen.

 

Finale Designs der Augenlinsendosimeter-Strahlenschutzbrille:

Bildquelle: MAVIG GmbH / Strahlenschutzbrillen

 

Bildquelle: AWST München

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