Innovation and Translation

Von der Grundlagenforschung in die Anwendung

Innovationsmanagement und Management translationaler und klinischer Projekte am Helmholtz Zentrum München stehen im Dienste der Verbesserung der Gesundheit. Sie unterstützen die Entwicklung patientenorientierter Forschung hin zu Anwendungskonzepten für Klinik und Wirkstoffentwicklung.

Das Helmholtz Zentrum München setzt Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in Innovationen um. Es patentiert seine Erfindungen und lizensiert sie für die Kommerzialisierung aus. Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung werden in Ausgründungen sowie in Kooperationen mit kompetenten industriellen Partnern weiterentwickeltund zur Anwendung gebracht. 

2012 und 2013 gingen vier neue Unternehmen aus dem Helmholtz Zentrum München an den Start. Das Zentrum bringt damit exzellente Wissenschaft zur konkreten Anwendung und setzt neue Impulse in den Bereichen Datenmanagement, klinische Bildgebung, Immuntherapie und Dosimetrie. 

Clueda AG

Die 2012 gegründete Clueda AG ist ein Softwareunternehmen, das intelligente Vorhersage, Analyse- und Entscheidungstools für unterschiedliche Branchen zur Marktreife bringt. Das Unternehmen erhielt 2013 den Best in Big Data Award der Zeitschrift Computerwoche für ein zusammen mit einer deutschen Investmentbank entwickeltes Analysesystem.

SurgVision B.V.

Das 2013 gestartete Start-Up Unternehmen SurgVision B.V. entwickelt Systeme, die eine molekulare Live-Bildgebung während chirurgischer Eingriffe ermöglichen. Eine erste klinische Studie zu bildgestützten Operationsverfahren für Brustkrebspatientinnen steht vor dem Abschluss, weitere Indikationen werden evaluiert. SurgVision entstand aus einer Zusammenarbeit des Instituts für Biologische und Medizinische Bildgebung mit dem University Medical Center Groningen, Niederlande. 

Trianta Immunotherapies GmbH

Trianta Immunotherapies GmbH wurde 2013 aus dem Institut für Molekulare Immunologie ausgegründet und bringt Immuntherapien zur Behandlung von Krebserkrankungen voran. Für ihr Ausgründungsprojekt wurde das Team um Institutsdirektorin Prof. Dr. Dolores Schendel unter anderem mit einem m4 Award des Bayerischen Wirtschaftsministeriums in Höhe von 500.000 Euro ausgezeichnet. 

Dosimetrics GmbH

Als Hersteller und Dienstleister für personenbezogene Dosisermittlung im Umgang mit ionisierender Strahlung gründete sich ebenfalls 2013 die Dosimetrics GmbH. Basierend auf Forschungsarbeiten der Auswertungsstelle am Helmholtz Zentrum München, der größten Personendosismessstelle Europas, bietet Dosimetrics Technologien zur einfachen Detektion und zum schnellen Auslesen von Personendosen. 

Mit den neuen Start-Up Unternehmen hat das Helmholtz Zentrum München seine erfolgreiche Serie an Ausgründungen fortgesetzt. Seit 1997 wurden aus dem Zentrum insgesamt 18 Unternehmen ausgegründet. 15 davon sind heute im Markt tätig und beschäftigen rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Im Bereich der Wirkstoffentwicklung fördert das Helmholtz Zentrum München gezielt Projekte, die sich in der frühen Phase der Wertschöpfungskette befinden. Das Portfolio umfasst Entwicklungsprojekte aus den Bereichen Diabetes, Neurodegeneration, Autoimmunerkrankungen und Krebs. Ziel ist die Identifizierung und Entwicklung von innovativen Wirkstoffen. Fünf der 27 in 2012 und 2013 neu angemeldeten Patente beziehen sich auf neue Wirkstoffe. Das gesamte Patentportfolio des Zentrums umfasst derzeit 150 Patentfamilien.

Zur Identifizierung neuer Zielstrukturen für Wirkstoffe gegen Diabetes startete in 2013 auch eine strategische Forschungskooperation zwischen dem Institut für Diabetes und Adipositas und der Sanofi Aventis Deutschland GmbH. Die Forschungskooperation ist auf zunächst drei Jahre angelegt.

Translationale Forschung

Die auf den Patientennutzen ausgerichtete translationale Forschung ist ein wesentliches Element der wissenschaftlichen Strategie des Zentrums. Ziel ist, eine zuverlässige Stratifizierung von Patientengruppen vorzunehmen und auf den individuellen Patienten angepasste Vorsorge- und Therapieansätze zu entwickeln. Erfolgsfaktoren sind die enge Verbindung von exzellenter Grundlagenforschung, kontinuierlich weiterentwickelten Technologieplattformen und differenzierten Modellsystemen mit umfangreichen Populationskohorten und klar definierten Patientenkollektiven. Das Zentrum setzt dieses Prinzip in drei Translationszentren, elf Klinischen Kooperationsgruppen und einem translationalen Projektportfolio in Zusammenarbeit mit klinischen Partnern um.

Translationszentren

Mit der Besetzung des Lehrstuhls für Klinische Pneumologie am Klinikum der Universität wurde das Comprehensive Pneumology Center in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München und den Asklepios Fachkliniken München-Gauting 2013 vollständig implementiert. Zusammen mit dem Diabetesstudienzentrum und dem Munich Allergy Research Center, die beide in Kooperation mit der Technischen Universität München geführt werden, sind damit in drei regionalen Translationszentren in den Forschungsgebieten Lunge, Diabetes und Allergien Grundlagenwissenschaft, Technologien und klinische Forschung langfristig miteinander verbunden. 

Klinische Kooperationsgruppen

In elf Klinischen Kooperationsgruppen werden definierte klinisch-wissenschaftliche Hypothesen mit dem Ziel bearbeitet, den klinischen proof of concept zu erreichen. Die Entwicklung personalisierter zellulärer Therapieverfahren in die klinische Phase wird von vier Klinischen Kooperationsgruppen verfolgt. Eine Phase I/II-Studie zum T-Zelltransfer bei CMV-Infektion nach Knochenmarkstransplantation konnte abgeschlossen werden und wird ausgewertet. In oder kurz vor der klinischen Prüfung befinden sich die Projekte zur Zell-Vakzinierung bei akuter myeloischer Leukämie, zum NK-Zelltransfer bei nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom sowie prophylaktischer CMV- und EBV-spezifischer T-Zelltransfer nach Stammzelltransplantation.

Zwei Klinische Kooperationsgruppen beteiligen sich seit 2013 an Beobachtungsstudien des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung. Sie untersuchen im Rahmen der Prädiabetes Lebensstil Interventionsstudie PLIS, ob die Umstellung des Lebensstils hinsichtlich Ernährung und körperlicher Betätigung das Risiko für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes positiv beeinflusst. In der Deutschen Diabetes Studie DDS erfolgt eine differenzierte Langzeitbeobachtung von neu diagnostizierten Diabetespatienten.

In Kooperation mit der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie der Ludwig-Maximilians-Universität wurde 2013 die KKG „Personalisierte Radiotherapie bei Kopf-Hals-Tumoren“ gegründet. Sie untersucht molekulare Marker zur Vorhersage der Wirksamkeit von Strahlentherapie bei Tumoren im Kopf-Halsbereich.

Translationales Projektportfolio

Um die Entwicklung personalisierter Präventions-, Diagnostik- und Therapiekonzepte gezielt zu stärken, werden seit 2012 translationale und klinische Projekte mit kurzer Laufzeit gefördert. Nach Begutachtung wurden bis 2013 insgesamt neun Projekte unterstützt. 

Querschnittsverbund Personalisierte Medizin

Im neu gegründeten Helmholtz-Querschnittsverbund Personalisierte Medizin (iMed) hat sich das Zentrum zusammen mit vier weiteren Helmholtz-Gesundheitsforschungszentren zum wissenschaftsgetriebenen Aufbau einer indikationsübergreifenden, molekularen Systemmedizin zusammengeschlossen. Der Verbund stellt kollaborativen Projekten Hochdurchsatz- und IT-Plattformen zur Verfügung. Indikationen sind Krebs, metabolische und kardiovaskuläre Erkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems sowie Lungen- und infektiöse Erkrankungen.