Abgeschlossene Projekte

Gesundheitsökonomische Betrachtung zu Radonsanierungsmaßnahmen
Leiter/ 
Team:
Prof. R. Leidl, Prof. Dr. Dr. H.–E. Wichmann,
Dipl.-Kfm. F. Haucke, Dr. I. Brüske-Hohlfeld
Projektträger:Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) – Vorhabennummer 3609S10007
Laufzeit:12 Monate
Kurzbeschreibung:Radon (R) ist ein natürliches, im Erdreich und in Gesteinen vorkommendes radioaktives Edelgas, dessen Zerfallsprodukte in den meisten Ländern Europas etwa 30% der nicht durch medizinische Geräte verursachten ionisierenden Strahlung ausmachen. Abhängig von geologischen und geophysikalischen Bedingungen sowie der baulichen Beschaffenheit eines Gebäudes kann Radon über Undichtigkeiten im erdberührten Bereich in Innenräume diffundieren und sich in diesen anreichern. Dort zerfällt der Atomkern in eine Reihe kurzlebiger Isotope, die sich an Aerosolpartikel in der Raumluft anlagern und per Inhalation in den Atemtrakt gelangen können. Durch weitere Zerfallsprozesse kommt es zu einer Bestrahlung der Lungenzellen mit α-Strahlen, welche die DNA schädigen können und somit zu einem erhöhten Lungenkrebsrisiko beitragen. Es existieren jedoch eine Reihe von Sanierungsmaßnahmen, die - beispielsweise durch eine Änderung der Permeabilität der Bausubstanz oder des Luftaustauschs - die Radonkonzentration in Wohnräumen erheblich verringern. Trotz gesicherter epidemiologischer Evidenz wurden in Deutschland – anders als in den meisten anderen (europäischen) Ländern – bislang weder gesetzlich verankerte Grenzwerte noch entsprechende Richtlinien zur häuslichen Radonbelastung verabschiedet.

Ziel dieses Forschungsvorhabens ist es, erstmals für Deutschland die Effekte verschiedener Interventionsstrategien zur Minderung der Radonbelastung in bestehenden Wohnhäusern sowie des radonsicheren Neubaus zu analysieren und deren Kosten-Effektivität zu berechnen. Dabei wird vor allem untersucht, welche Auswirkungen von verbindlichen Grenzwerten sowie Richtlinien und Empfehlungen ausgehen, die bereits mehrfach diskutiert, bislang jedoch nicht umgesetzt wurden.
Vorgehen:Die Kosten-Effektivitäts-Analyse der Radonsanierung wird als Szenarioanalyse mittels einer entscheidungstheoretischen Modellierung durchgeführt, wobei verschiedene Szenarien spezifische Strategien mit unterschiedlich ausgeprägten regulativen Eingriffen zur Senkung der Radonexposition in der Bevölkerung bei unterschiedlichen Eingriffsniveaus (EN) abbilden. Alle Strategien werden aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive untersucht. Outcomeparameter sind die Kosten je vermiedenen Lungenkrebs, sowie je gewonnenes (qualitätsadjustiertes) Lebensjahr. Es werden uni- und multivariate deterministische Analysen durchgeführt, sowie probabilistische Sensitivitätsanalysen auf Basis von Monte-Carlo-Simulationen. Alle Analysen erfolgen auf verschiedenen regionalen Ebenen, um auch kleinräumig differenzierte Strategien untersuchen und beurteilen können. Die Modellierung wird in Einklang mit nationalen und internationalen Guidelines durchgeführt.