Prof. Michaela Nathrath

Engagement in zwei Welten

Professor Michaela Nathrath will Erkenntnisse aus zwei Arbeitsstätten optimal verbinden: Klink und Labor. Als Ärztin und Forscherin ist es ihr Ziel, an Knochenkrebs erkrankte Patienten möglichst individuell und effizient zu behandeln.

Nathrath,  Ärztin und Direktorin der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am Klinikum Kassel möchte ihre zum Teil noch ganz kleinen Patienten möglichst optimal versorgen. Deswegen erforscht sie als Leiterin der Klinischen Kooperationsgruppe Osteosarkom (Knochenkrebs) am Helmholtz Zentrum München die Grundlagen dieser Erkrankung. Sie hofft, dadurch individuelle Therapiemöglichkeiten für diese Patienten zu finden.

Jährlich erkranken etwa 200 Menschen in Deutschland an Knochenkrebs. Vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen dem zehnten und 25. Lebensjahr sind betroffen. Das Osteosarkom ist damit der häufigste, bösartige Knochentumor des Jugendalters. Die Fünf-Jahres-Überlebensraten der Patienten mit lokalisiertem Tumor liegen bei nur 60 bis 70 Prozent.

Dr. Michaela Nathrath spricht mit einem kleinen Patienten
Dr. Michaela Nathrath spricht mit einem kleinen Patienten; <br>Foto: Paavo Blåfield

Individuelle Therapie – von der Laborbank zum Patienten

 „Meine Erfahrungen in Klinik und Labor zeigten mir, dass Tumore verschiedener Patienten unterschiedlich auf die gleiche Therapie ansprechen“, erklärt Nathrath. „Um den Therapieerfolg zu verbessern und Nebenwirkungen zu reduzieren,  ist eine sogenannte Targettherapie (target= engl. Ziel) notwendig, bei der Medikament und Zielstrukturen an den Tumorzellen wie Schlüssel und Schloss zusammenpassen.“

Um das zu erreichen, ist die Übertragung (Translation) von Grundlagenerkenntnissen aus dem Labor in die klinische Praxis unerlässlich, was im Alleingang nicht möglich ist. Deshalb ist Nathrath heute Leiterin der „Klinischen Kooperationsgruppe Osteosarkom“, einer Plattform, in der das Wissen des Instituts für Strahlenbiologie, des Instituts für Pathologie, der Proteomics Plattform  am Helmholtz Zentrum München und der Kinderklinik der Technischen Universität München einfließen.

Durch Forschungsergebnisse dem Ziel einen Schritt näher

„Wenn man seine Patienten vor Augen hat sieht man, wie wichtig neben den Heilungschancen auch die Reduktion der Nebenwirkungen ist“, sagt die Ärztin. In Zusammenarbeit mit diversen Krebsforschungsinstitutionen in Deutschland und der Schweiz ist der Gruppe eine zukunftsweisende Entdeckung gelungen: möglicherweise eignen sich Veränderungen der Gene in Osteosarkomen, um eine individuelle Prognose vorherzusagen und eine Therapie zu finden, die möglichst wenige Risiken birgt.

Eine umfassende Versorgung des Patienten beinhaltet mehr als Medizin

Nicht nur den Tumor, sondern vor allem das Kind, den Jugendlichen hat Nathrath im Blick und hat sich deswegen weitere Unterstützung für ihre Patienten einfallen lassen. So gründete  sie das Palliativprojekt „Kleine Riesen“ an der Kinderklink Schwabing, das heute Eltern, die ihre Kinder zuhause pflegen wollen ärztlich und pflegerisch unterstützt und ist derzeit dabei, eine ähnliche Initiative für Nordhessen ins Leben zu rufen. Kindern und Jugendlichen mit guten Heilungschancen hilft sie, durch ihr Engagement in der „Schule für Kranke“ den Wiedereinstieg ins normale Leben zu finden. Mit einem Sportprojekt für krebskranke Kinder und Jugendliche will sie den Klinikalltag für ihre Patienten abwechslungsreicher gestalten und ihnen die Möglichkeit geben, sich für kurze Zeit von ihren Ängsten zu befreien. Nathrath bezeichnet dieses Engagement als „ganzheitliche Medizin“, die das Kind, den Jugendlichen mit all seinen Sorgen und Bedürfnissen wahrnimmt.

Der Wunsch für die Zukunft - Heilungschancen optimieren

Das Ziel von Nathrath ist ganz klar: optimale Versorgung und Verbesserung der Heilungschancen. Um diesem Ziel näher zu kommen, will sie so schnell wie möglich das molekulare Geheimnis dieses komplexen Tumors lüften: Mit dem Team ihrer Klinischen Kooperationsgruppe will sie erforschen, wie es zur Tumorentstehung kommt und dazu beitragen, auch diejenigen Patienten zu heilen, die heute schlecht auf Therapien ansprechen.

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Vita

  • Derzeit baut sie in Kassel eine ambulante Palliativbetreuung für Schwerkranke und krebskranke Kinder und Jugendliche in Nordhessen auf und hat auch dort ein Schulprojekt etabliert
  • Zudem initiierte sie das Projekt „Schulische Reintegration krebskranker Kinder“ und ein Sportprojekt für krebskranke Kinder
  • In München war Nathrath Initiatorin und Leiterin des Palliativ Projekts „Kleine Riesen“ und organisierte die Palliativbetreuung von krebskranken Kindern an der Kinderklinik Schwabing der TUM
  • 2008 erhielt die Wissenschaftlerin für ihre besonderen Verdienste in der Kinderonkologie das Bundesverdienstkreuz
  • ist seit 2008 Direktorin der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am Klinikum Kassel
  • 2006 wurde Ihre Habilitation „Molekulargenetische Aspekte der Pathogenese und Therapie des Osteosarkoms“ an der TUM mit dem Fakultätspreis für die beste Habilitation ausgezeichnet
  • leitet seit 2005 die Klinische Kooperationsgruppe Osteosarkom am Helmholtz Zentrum München und an der Kinderklinik Schwabing (TUM)
  • wurde 2003 zur kommissarischen Leiterin der Kinderhämatologie und Kinderonkologie des Kinderklinikums Schwabing berufen. 2003 wurde sie leitende Oberärztin der Kinderhämatologie / -onkologie und 2005 geschäftsführende Oberärztin der Kinderklinik
  • Begann 1998 am Institut für Pathologie des Helmholtz Zentrums München mit ihren Forschungsarbeiten zu „Knochen- und Weichteilsarkomen auf Grundlage von Mausmodellen"

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