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30.04.2020

Nasale Biomarker für die Vorhersage der Symptomstärke bei Pollen-Allergikern und Nichtallergikern bestimmt

Pressemeldung des HMGU über Publikation des IEM

Nicht nur bei Allergikern, sondern auch bei einer Untergruppe von Nichtallergikern treten im Frühjahr Symptome in der Nase auf, die auf den Kontakt mit Pollen zurückzuführen sind. Eine neue Studie zeigt, dass die Stärke der Symptome, die im Frühjahr während des Pollenflugs auftreten werden, durch Biomarker in der Nase bereits vor Beginn der Pollensaison vorhergesagt werden kann.

Der Kontakt mit Pollen führt bei Allergikern zu Symptomen wie Niesen, Schnupfen und tränenden Augen. Was so trivial klingt, ist jedoch ein komplexer Zusammenhang physiologischer Prozesse. Noch sind diese nicht ausreichend erforscht, um die Entwicklung von Allergien und die Auslöser der Symptome umfassend zu verstehen.

Symptome schon vor der Pollensaison vorhersagbar

Eine Forschungsgruppe unter Leitung des Lehrstuhls und Instituts für Umweltmedizin des Forschungsverbundes UNIKA-T, Augsburg, untersuchte Probanden mit durch Pollen ausgelöster allergischer Rhinitis sowie Nichtallergiker über den Zeitraum eines Jahres. Neben Ausfüllen eines täglichen Online-Symptomtagebuches wurden Blutproben und Nasenabstriche entnommen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verglichen die Immunvariablen (Zytokine, Chemokine und Pollen-spezifische Immunglobuline) im Serum und im Nasensekret während und außerhalb der Pollensaison. Dabei identifizierten sie die in der Nase befindlichen körpereigenen Botenstoffe IL-8 und IL-33 sowie die Antikörper sIgG4 und sIgE als Biomarker, also als messbare Merkmale mit Aussagekraft für biologische Prozesse. Diese Biomarker zeigen eine signifikante Korrelation mit Beschwerden wie Schnupfen, verstopfter oder laufender Nase, die auftreten, wenn Pollen fliegen. Sie wurde über den Spearman’schen Rangkorrelationskoeffizienten nachgewiesen. Das Vorhandsein der Biomarker und ihre quantitative Ausprägung kann zur Vorhersage der Stärke der Krankheits-Symptome genutzt werden. Zu betonen ist, dass dies unabhängig von einer bestehenden Allergie auftritt und auch bereits vor Beginn der Pollensaison sowohl bei Allergikern als auch Nichtallergikern möglich ist.

Vielseitiger Einsatz von Biomarkern

Mehmet Gökkaya, Wissenschaftler am UNIKA-T und Erstautor der Studie: „Die Identifikation von Biomarkern hilft uns in drei wesentlichen Punkten: Die Vorhersagbarkeit der Schwere der Krankheits-Symptome wird uns helfen, Patienten zielgerichtet und rechtzeitig behandeln zu können. Zweitens könnten Biomarker helfen, um bei „Noch“-Nichtallergikern den Prozess der Allergieentwicklung verstehen und so vielleicht sogar verhindern zu können. Und drittens könnten wir mit Biomarkern diejenigen molekularen Prozesse identifizieren, die die Krankheitssymptome im Ursprung hervorrufen. Dies wäre ein möglicher Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Medikamente.“ Traidl-Hoffmann, Leiterin der Hochschulambulanz für Umweltmedizin, schlussfolgert für Ihre Patienten aus dieser Arbeit: „Unsere Arbeiten helfen uns, ein ganzheitliches Therapiemanagement für unsere Allergie-Patienten zu entwickeln.“ https://www.helmholtz-muenchen.de/ 

Originalpublikation

M. Gökkaya et al., 2020: Defining biomarkers to predict symptoms in allergic and non-allergic subjects under natural pollen exposure. Journal of Allergy and Clinical Immunology, DOI: 10.1016/j.jaci.2020.02.037