Drei Jahre HELENA

Jan Krumsieks Terminkalender ist so voll wie der eines erfolgreichen Managers: Im Januar verbrachte er wieder einmal ein paar Wochen am Weil Cornell Medical College in New York, um dort seine wissenschaftliche Arbeit voranzutreiben. Gleichzeitig betreut er am Institute of Computational Biology am Helmholtz Zentrum München ein eigenes Research Team, kümmert sich um vier Doktoranden und arbeitet selbst viel am Computer. Hinzu kommen noch Reisen zu Tagungen und Vorträgen. Und all das gerade mal ein Jahr nach seiner Promotion.

Der 29-jährige Bioinformatiker gehört zu den Top-Talenten, die das Helmholtz Zentrum München im Rahmen seiner Graduate School Environmental Health, kurz HELENA, gefördert hat. Gegründet im November 2010, ist diese Schule eine Investition in die Zukunft sowohl der Studenten als auch des Helmholtz Zentrums. „Sie bildet internationale Wissenschaftler interdisziplinär im Bereich Environmental Health aus und bietet ein ideales Sprungbrett in eine erfolgreiche Karriere“, sagt Direktor Christian Langebartels, Leiter der Abteilung Programmplanung und Management. Sprecher der Graduate School ist Hans-Werner Mewes, Direktor des Instituts für Bioinformatik und Systembiologie.

Jan Krumsiek hatte seine Doktorarbeit bereits begonnen, als HELENA gegründet wurde. Er stieg dort von Anfang an ein und hat, wie er sagt, viel davon profitiert. Neben den angebotenen Fachvorträgen nutzte er vor allem die fachübergreifenden Fortbildungskurse in Präsentationstraining, Zeit- und Selbstmanagement sowie die Informationen über die Vorgänge beim Publikationsprozess. Da HELENA auch assoziiertes Mitglied der Graduate School der Technischen Universität München ist, hatte er zusätzlich die Möglichkeit, auch deren Angebote wahrzunehmen. „Ich besuchte einen Kurs zum Projektmanagement, der extrem hilfreich war“, erinnert er sich.

Dr. Jan Krumsiek (re.) im Gespräch mit Prof. Dr. Fabian Theis

In seiner wissenschaftlichen Arbeit hat ihm vor allem das Thesis Committee geholfen, das integraler Bestandteil von HELENA ist. Es handelt sich um ein beratendes Gremium, bestehend aus Doktorvater, Betreuer am Zentrum und einem externen Experten, das ihn motiviert und in strategischen Fragen unterstützt hat. „Einmal pro Jahr trifft man sich mit dem Komitee und bespricht den Fortschritt der Doktorarbeit“, sagt er. „Das zwingt dazu, die Arbeit zu strukturieren, sich nicht zu verzetteln, sondern den roten Faden stets zu behalten.“ Er hat für seine Arbeit 2013 den Helmholtz-Doktorandenpreis im Forschungsbereich Gesundheit gewonnen.

Bei Krumsiek ging es um ein Projekt, bei dem er Tausende von Stoffwechseldaten aus einer Studie der am Helmholtz Zentrum München koordinierten Plattform Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg (KORA) aufbereitete. Der Bioinformatiker erstellte dazu Korrelationsanalysen zwischen den einzelnen Werten und bildete sie grafisch ab. Es entstanden Bilder von Netzwerken, die – so Krumsiek – „tatsächlich den biochemischen Wahrheiten entsprechen. Wir haben das überprüft. An meinem Thema hat mich besonders interessiert, dass wir in der Arbeitsgruppe eine Brücke geschlagen haben zwischen Biologie, Medizin, Mathematik und Informatik. Von tiefster Biologie bis hin zu Programmierung war alles dabei.“

Interessante und unerwartete Rückschlüsse ließen sich aus den Daten ziehen: „Wir konnten optisch zeigen, dass Männer und Frauen sich in ihrem Stoffwechsel für Aminosäuren und Fette stark unterscheiden“, so Krumsiek. „Auch Unterschiede zwischen depressiven und nicht depressiven Personen oder Asthmatikern und Gesunden ließen sich so feststellen.“

Und noch eine zweite Anwendung ermöglichte erst die neuartige grafische Aufbereitung: Sie gab Hinweise auf Stoffwechsel-Wege, die man vorher nicht kannte. Durch die Visualisierung der Vernetzung sind Forscher nun in der Lage, Stoffwechselprodukte bestimmten chemischen Abläufen zuzuordnen. Zum einen ist das ein Beitrag zur Grundlagenforschung. Gleichzeitig liefert diese Herangehensweise aber auch Erkenntnisse für die Humanmedizin. Das grafische Netzwerk könnte helfen, Krankheiten durch Blutuntersuchungen auf die Spur zu kommen.

Dr. Monika Beer

„Der Erfolg von Jan Krumsiek zeigt, wie wichtig es ist, den Doktoranden im Rahmen von HELENA eine interdisziplinäre Ausbildung zu ermöglichen“, sagt Dr. Monika Beer, Leiterin der Nachwuchsförderung in der Abteilung Programmplanung und Management. „Sie sind nicht mehr wie früher auf sich allein gestellt, sondern können sich Rat holen, ihre Karriere planen und sich untereinander vernetzen.

Die Idee des Thesis Committee sorgt außerdem dafür, dass die Studenten Mentoren haben und wegkommen von der früher üblichen Individualpromotion.“ 340 Doktoranden nehmen mittlerweile teil an den Programmen von HELENA, davon 35 Prozent aus dem Ausland. „Wir haben Teilnehmer aus 48 Nationen“, so Beer, „am stärksten ist China vertreten, mit 50 Personen. Interessant ist auch, dass mehr als die Hälfte aller Teilnehmer weiblich ist.“

Die Vorbereitung aufs Berufsleben spielt bei HELENA ebenfalls eine wichtige Rolle. „Wir laden Experten zu Karriereseminaren ein, die den Doktoranden vermitteln, welche Möglichkeiten es gibt, ihre Zukunft zu gestalten“, sagt Monika Beer. Rund 40 Prozent entscheiden sich für eine wissenschaftliche Laufbahn, die anderen gehen in die Industrie oder ins Wissenschafts-Management. „Wir wollen den jungen Leuten auch Wege aufzeigen, die raus aus den klassischen Pfaden führen.“ Jan Krumsiek hat sich schon entschieden: Er bleibt am Helmholtz Zentrum München, wo er soeben ein Postdoc-Stipendium für drei Jahre erhalten hat.

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