Pressemitteilung

Allergieforschung
23.02.2018

Neue Therapieoption gegen Neurodermitis?

Der Antikörper Fezakinumab richtet sich gegen den Botenstoff Interleukin-22 und kann so Entzündungsreaktionen unterbinden. Eine deutsch-amerikanische Forschergruppe unter Beteiligung des Helmholtz Zentrums München hat den Wirkstoff nun im Rahmen einer klinischen Studie zur Behandlung schwererer Formen des atopischen Ekzems (Neurodermitis) getestet und die Ergebnisse im ‚Journal of the American Academy of Dermatology‘ publiziert.

© miamariam/Fotolia

Neurodermitis, auch bekannt als atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis, wird heute als Eintrittspforte für die „Allergiker-Karriere“ angesehen, weil oft erst durch die Barrierestörung der Haut eine Sensibilisierung und manifeste Allergie entsteht. Die Krankheit lässt sich mit heutigen Mitteln nicht heilen, aber gut in den Griff bekommen. Sie ist eine chronische Erkrankung, die chronisch, das heißt auch in symptomfreien Zeiten, behandelt werden muss. Für Patienten bei denen die üblichen Behandlungsmethoden nicht greifen, hat eine aktuelle Studie nun eine weitere Option getestet.

Dazu untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler - darunter auch IEM-Direktorin Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann und IEM Wissenschaftler Prof. Dr. Avidan Neumann - insgesamt 60 Probanden mit moderater bis schwerer Neurodermitis. 40 von ihnen erhielten fünf Mal alle zwei Wochen den Antikörper Fezakinumab als intravenöse Spritze. Die 20 übrigen Probanden erhielten ein Placebo gespritzt. Die Verteilung erfolgte zufällig und weder Ärzte noch Patienten wussten, um welche Behandlung es sich im Einzelfall handelte (sogenannte randomisierte, doppelt verblindete Studie). Nach der 10-wöchigen Behandlungsphase wurden die Patienten für weitere 20 Wochen überwacht.

Die Autoren berichten, dass sich durch den Wirkstoff die Gesamtfläche der von Ekzemen betroffenen Haut verringerte. Zudem verbesserte sich der sogenannte SCORAD-Index, ein Zahlenwert, der sich aus sechs typischen morphologischen Veränderungen bei Neurodermitis zusammensetzt. Vor allem bei schwerer Neurodermitis war die Verbesserung signifikant. Zudem berichten die Autoren von nur geringen Nebenwirkungen im 20-wöchigen Beobachtungszeitraum. Am häufigsten waren Infektionen der oberen Atemwege.

„Unsere Arbeit zeigt erstmals die Wirksamkeit und relative Sicherheit einer Behandlung durch IL-22-Blockade auf“, erklärt Claudia Traidl-Hoffmann. Die Autoren gehen davon aus, dass auch andere Erkrankungen damit behandelt werden könnten, die durch überschüssiges IL-22 verursacht werden. „Insbesondere für Patienten mit schwerem atopischen Ekzem und Patienten, bei denen eine Blockade von IL-4 und IL-13, beispielsweise durch den Antikörper Dupilumab, keinen nennenswerten klinischen Effekt zeigt, scheint dieser Ansatz eine mögliche Therapieoption zu sein“, ordnet Traidl-Hoffmann die Studie ein. In naher Zukunft möchten die Autoren die Studienergebnisse in Phase 2b- und Phase 3-Studien mit einer größeren Probandenzahl erhärten.

Mehr zum Krankheitsbild Neurodermitis sowie aktuelle Behandlungsoptionen finden Sie auch im aktuellen Monatsschwerpunkt des Allergieinformationsdiensts.

 

Weitere Informationen

Original-Publikation:
Guttman-Yassky, E. et al.: Efficacy and safety of fezakinumab (an anti-IL-22 monoclonal antibody) in adults with moderate to severe atopic dermatitis inadequately controlled by conventional treatments - A randomized, double-blind, phase 2a trial. In: Journal of the American Academy of Dermatology, 2018, DOI: 10.1016/j.jaad.2018.01.016

UNIKA-T: Studie deutet auf IL-22-Blockade als wirksame Therapieoption beim atopischen Ekzem hin. Pressemitteilung vom 13. Februar 2018

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus, Allergien und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. 

Am Institut für Umweltmedizin (IEM) widmen die Wissenschaftler und Mediziner ihre Arbeit der Grundlagenforschung und translationalen Forschung zur Interaktion "Umwelt-Mensch" mit dem Schwerpunkt „Allergische Erkrankung“. Die Forschung am IEM erfolgt in derzeit fünf Fachgebieten: Aerobiologie, Mikrobiologie, Translationale Immunologie, Umwelt-Bioinformatik und Umwelt-Immunologie. Hinzu kommt ein Studienzentrum, welches die Rekrutierung und Dokumentation für klinische Studien unternimmt, sowie eine Einheit Durchflusszytometrie, mit der eine umfassende Zell-Analyse und Zell-Sortierung möglich ist. Das Ziel der Forschungsanstrengungen am IEM ist die Prävention chronischer Umwelterkrankungen, weiterhin deren exakte Diagnose zu ermöglichen und effektive wie ganzheitliche Therapieformen zu entwickeln. 

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