Pressemitteilung

Auszeichnung
05.09.2019

Neue Sicht auf Bildung von Nervenzellen: Entwicklungsbiologin Magdalena Götz mit Mendel-Medaille der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina ausgezeichnet

Prof. Magdalena Götz vom Helmholtz Zentrum München erhält für ihre herausragenden wissenschaftlichen Erfolge auf dem Gebiet der Neurogenese – der Bildung von Nervenzellen im erwachsenen Gehirn – die Mendel-Medaille der Leopoldina. Götz ist seit 2007 Mitglied der Gelehrtengesellschaft. Die Mendel-Medaille wird im Rahmen des Frühjahrsempfangs von Leopoldina und Leopoldina Akademie Freundeskreis am 18. Februar 2020 in Halle (Saale) überreicht.

Prof. Magdalena Götz, Entwicklungsbiologin am Helmholtz Zentrum München. © Helmholtz Zentrum München

Magdalena Götz hat in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn zahlreiche bahnbrechende neue Erkenntnisse im Bereich der Zellregeneration im Gehirn sowie der Funktion von Stammzellen erzielt.

Die Entwicklungsbiologin entdeckte beispielsweise, dass auch Gliazellen, die das Stützgewebe des Nervensystems bilden, Stammzelleigenschaften besitzen. Damit leitete sie einen Paradigmenwechsel in den Neurowissenschaften ein. Götz wies einen molekularen Mechanismus nach, bei dem der Transkriptionsfaktor Pax6 Gliazellen in wenigen Regionen des erwachsenen Gehirns zur Bildung von Nervenzellen anregt. Dass Gliazellen als Stammzellen fungieren und Nervenzellen aus ihnen hervorgehen können, wirft eine neue Sicht auf die Entstehung von Nervenzellen und die Ausdifferenzierung der Großhirnrinde.

Zudem erforschte Götz mit ihrem Team, wie sich Gliazellen nach einer Gehirnverletzung verhalten. Dabei konnte sie zunächst zeigen, dass der Transkriptionsfaktor Pax6 einige Gliazellen auch nach einer Verletzung zur Bildung unreifer Nervenzellen anregt. In neueren Modellversuchen gelang es ihr schließlich, die behandelten Gliazellen nahezu vollständig in reife und funktionsfähige Nervenzellen umzuwandeln. Ihre Forschungen sind damit von hoher Bedeutung für die angewandte Stammzellforschung sowie neue Therapieansätze bei Gehirnverletzungen und -erkrankungen.

Magdalena Götz ist seit 2004 Direktorin des Instituts für Stammzellforschung am Helmholtz Zentrum München und nahm eine Professur für Physiologische Genomik an der Ludwig-Maximilians-Universität München an. Sie studierte Biologie in Tübingen und Zürich, Schweiz, bevor sie 1992 mit am Friedrich‐Miescher‐Laboratorium der Max‐Planck‐Gesellschaft in Tübingen durchgeführten Arbeiten promoviert wurde. Anschließend war sie als Postdoktorandin unter anderem am National Institute for Medical Research in London sowie bei SmithKline Beecham in Harlow, UK tätig. 1998 bis 2003 leitete sie eine Forschungsgruppe am Max‐Planck‐Institut für Neurobiologie in Martinsried. Die Leopoldina wählte Götz 2007 zum Mitglied. Im selben Jahr ehrte die Deutsche Forschungsgemeinschaft sie mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz‐Preis und die Bayer Stiftungen verliehen ihr den Familie-Hansen-Preis. 2013 wurden ihre Forschungsleistungen mit einem ERC Advanced Grant gewürdigt.

Die Mendel-Medaille wurde 1965 zu Ehren Gregor Mendels (1822–1884), dem Begründer der Vererbungslehre, gestiftet. Mit der Auszeichnung würdigt die Leopoldina Pionierleistungen auf dem Gebiet der allgemeinen und molekularen Biologie oder Genetik. Zu den bisherigen Preisträgern gehören der Biophysiker und Nobelpreisträger Max Delbrück (1967) und der Biologie Sydney Brenner (1970), der 2002 den Medizin-Nobelpreis erhielt.

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus, Allergien und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.500 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 19 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. 

Das Institut für Stammzellforschung (ISF) untersucht die grundlegenden molekularen und zellulären Mechanismen der Stammzellerhaltung und -differenzierung. Daraus entwickelt das ISF Ansätze, um defekte Zelltypen zu ersetzen, entweder durch Aktivierung ruhender Stammzellen oder Neuprogrammierung anderer vorhandener Zelltypen zur Reparatur. Ziel dieser Ansätze ist die Neubildung von verletztem, krankhaft verändertem oder zugrunde gegangenem Gewebe.

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