Geschichte der AG

Quelle: HMGU

Nur Kontinuität verheißt Erfolg. Um umfassende Erkenntnis zu erlangen und letztlich für den Patienten nutzbar zu machen, bedarf es eines langen Atems und jahrzehntelanger Anstrengungen. Die Immunologie im Helmholtz-Zentrum München kann auf eine fast 50-jährige Expertise aufbauen und hat in dieser Zeit zu bahnbrechenden Entwicklungen beigetragen. Mit ihrem Blick auf die klinische Anwendung verkörperte die Immunologie am Helmholtz-Zentrum München von Anfang an das Konzept der translationalen Medizin. Seit Gründung des Instituts für Immunologie konnten 12 Habilitationen abgeschlossen werden, zahlreiche ehemalige Mitarbeiter sind in leitende Positionen aufgerückt.

Das GSF-Institut für Immunologie

Zur Erforschung der Strahlenwirkung auf das hämatopoetische System gründete die damalige Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF) im Jahre 1964 das Institut für Hämatologie. Dieses Institut war in angemieteten Räumen in der Münchener Landwehrstraße untergebracht und verfügte über Zugang zu Betten in der Innenstadtklinik der Ludwig-Maximilians-Universität. Prof. Dr. med. Stefan Thierfelder (1933 – 2010), der zuvor am Centre de Recherches sur les Maladies du Sang in Paris bei Jean Dausset, dem späteren Nobelpreisträger und Erstbeschreiber von HLA-Antigenen, gearbeitet hatte, kam im Jahre 1965 an das Institut, wo er ab 1970 eine „Abteilung für Immunhämatologie“ aufbaute. Diese wurde später als GSF-Institut für Immunologie verselbstständigt. Im Mittelpunkt des Interesses stand die interdisziplinäre Forschung im Bereich von Hämatologie, Strahlenbiologie, Transplantationsmedizin und Immungenetik. Das übergeordnete Ziel war die Entwicklung der allogenen Knochenmarktransplantation zur Behandlung von Leukämiepatienten. Diese Bemühungen führten 1975 zur ersten, erfolgreichen Knochenmarktransplantation in Deutschland. Immunologische Komplikationen konnten mit T-Zell-spezifischen polyklonalen Antikörpern behandelt werden, die im Maus- und Hundemodell entwickelt wurden und die inzwischen in die Routinetherapie von Abstoßungsreaktionen Eingang gefunden haben. Später traten monoklonale Antikörper hinzu, für deren Herstellung eine Einheit geschaffen wurde, welche bis heute Auftragsdienstleistungen weltweit erbringt.

Mit der Berufung von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Wolfgang Wilmanns als Direktor der III. Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Großhadern sowie des GSF-Instituts für Klinische Hämatologie im Jahre 1977 wurden die Arbeiten auf eine neue interinstitutionelle Grundlage gestellt. Um die Zusammenarbeit mit klinischen Einrichtungen zu vertiefen, siedelte das GSF-Institut für Immunologie 1988 in das auf dem Campus des Klinikums Großhadern neu errichtete Hämatologikum über.

Schlüsselübergabe anlässlich der Einweihung des Hämatologikums im Jahre 1989. Von links nach rechts: Prof. Dr. med. Stefan Thierfelder (Direktor Institut für Immunologie), Prof. Dr. med. Dr. h.c. Wolfgang Wilmanns (Direktor Institut für Klinische Hämatologie), Prof. Dr. med. Georg Bornkamm (Direktor Institut für Klinische Molekularbiologie, halb verdeckt), Prof. Dr. Wolfgang Wild (Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst), Prof. Dr. Hans Wolfgang Levi (Wissenschaftlicher Geschäftsführer der GSF), Prof. Dr. med. Peter Dörmer (Direktor Institut für Experimentelle Hämatologie).

 
Arbeitsgebiete der folgenden Zeit waren neben den Untersuchungen zur In-vivo-Wirksamkeit T-Zell-spezifischer Antikörper die Immundiagnostik mithilfe von Antikörpern, die immunchemische Charakterisierung von Immunglobulinketten, die rekombinante Antikörper-Technologie sowie die Herstellung und präklinische Erprobung bispezifischer Antikörper. Wissenschaftliche Höhepunkte waren die Entwicklung der regionalen Tiefenhyperthermie durch Prof. Dr. Rolf Issels sowie die Einführung der Donor-Lymphozyten-Infusion durch Prof. Dr. Hans-Jochem Kolb. Beide Verfahren sind inzwischen fester Bestandteil in der Krebstherapie. Grundlegende Erkenntnisse zur Wirkung der bispezifischen Antikörper führten zur Ausgründung der Firma Trion. Deren Präparat Removab® erhielt als erstes bispezifisches Reagens weltweit die klinische Zulassung. Nach der Emeritierung von Prof. Dr. Wilmanns 1997 wurden zur Umsetzung der räumlichen, strukturellen und inhaltlichen Vernetzung zwischen Klinik und experimenteller Grundlagenforschung so genannte Klinische Kooperationsgruppen gegründet, die Klinikern und Grundlagenforschern die Möglichkeit gaben, in denselben Laborräumen eng zusammenzuarbeiten.

Das Institut für Molekulare Immunologie

Als 1998 Prof. Dr. Thierfelder in den Ruhestand trat, wurde das Institut mit der von Frau Prof. Dolores Schendel PhD geleiteten Arbeitsgruppe vereinigt, welche bislang im Institut für Immunologie der Ludwig-Maximilians-Universität angesiedelt war und nun in das Hämatologikum nach Großhadern umzog. Daraus entstand das GSF-Institut für Molekulare Immunologie.

Damit wurde den Herausforderungen Rechnung getragen, die die neuen Konzepte der Immun- und Gentherapie mit sich brachten und die neben den humoralen Effektormechanismen die zelluläre Immunität in den Mittelpunkt des Interesses rückten. 2008 wurde die GSF in „Helmholtz-Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt“ umbenannt. Damit war eine Entwicklung vorläufig abgeschlossen, die von der Strahlenforschung zu einem integrierten Forschungskonzept innerhalb des PoF-Programms „Gen-Umwelt-Einflüsse auf Volkskrankheiten“ geführt hat. Die Arbeiten des Instituts konzentrierten sich auf die Entwicklung und Umsetzung neuer Methoden des „Immun-Monitoring“ sowie Zell-vermittelter Stategien zur Behandlung verschiedener Erkrankungen. Dazu gehören Ansätze der Vakzinierung, z.B. mit dendritischen Zellen, sowie der adoptive Transfer von T-Lymphozyten. Als Modellsysteme dienten urologische Neoplasien wie das Nierenzell- und Prostatakarzinom sowie Leukämien und Lymphome, doch die entwickelten Methoden werden auch eine wichtige Rolle für die Behandlung anderer chronischer Krankheiten spielen, die im Helmholtz-Zentrum bearbeitet werden. Mehrere Klinische Kooperationsgruppen, Abteilungen sowie eine GMP-Einheit wurden an das Institut angegliedert.

Ab 2006 erfolgten viele entscheidende Arbeiten im Rahmen des Transregio-Sonderforschungsbereiches SFB-TR36,  zu dem auch ein Graduiertenkolleg gehört. Diese Aktivitäten werden bis zum Laufzeitende des SFB im Jahre 2018 fortgesetzt. Zur praktischen Umsetzung der entwickelten Vakzine- und Zelltransferverfahren wurde 2013 die Firma Trianta aus dem Institut ausgegründet, die seit 2014 in die Medigene AG integriert ist.

Neue immunologische Arbeitsgruppen

Frau Prof. Dolores J. Schendel trat als Institutsleiterin im April 2014 in den Ruhestand und konzentriert sich seitdem auf ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin der Firma Medigene. Nach ihrem Ausscheiden bestand das Institut für Molekulare Immunologie bis zum 1. Januar 2016 weiter und wurde dann geschlossen. Folgende Arbeitsgruppen sind dabei aus dem Institut hervorgegangen:


  • Eigenständige Einheit Translationale Molekulare Immunologie (Leitung: Prof. Dr. R. Mocikat)
  • Plattform Immunanalytik (Leitung: Prof. Dr. E. Nößner)
  • Forschungseinheit der Plattform Immunanalytik TCI (Leitung: Prof. Dr. E. Nößner)
  • Abteilung Molekulare Immunregulation (Leitung: Prof. Dr. V. Heissmeyer)
  • Plattform Monoklonale Antikörper (Leitung: Dr. R. Feederle)
  • Forschungseinheit der Plattform Monoklonale Antikörper (Leitung: Dr. R. Feederle) 

Durch die Erhaltung dieser Arbeitsgruppen wird gewährleistet, dass die im Laufe von Jahrzehnten aufgebaute immunologische Expertise bestehen bleibt und anderen Gruppen im Helmholtz-Zentrum verfügbar gemacht werden kann. Eine Verbindung zwischen Grundlagenimmunologie und einzelnen im Helmholtz-Zentrum bearbeiteten Krankheitsentitäten wird auf diese Weise sichergestellt.

Quelle: Alle Bilder auf dieser Seite HMGU

Wir verwenden Cookies um Ihnen den Besuch der Webseite so angenehm wie möglich zu machen. Wir benötigen Cookies um die Dienste ständig zu verbessern, bestimmte Features zu ermöglichen und wenn wir Dienste bzw. Inhalte Dritter einbetten, wie beispielsweise den Vimeo-Videoplayer oder Twitter-Feeds. Gegebenenfalls werden in diesen Fällen auch Informationen an Dritte übertragen. Durch die Nutzung unserer Webseite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Wir verwenden unterschiedliche Arten von Cookies. Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Cookie-Einstellungen zu personalisieren:

Einstellung anzeigen.
In unserer Datenschutzerklärung finden Sie weitere Informationen.

Dort können Sie Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern.