Pressemitteilung/News

Umweltmedizin
02.05.2016

Niedermolekulare, nicht-allergene Pollensubstanzen verstärken Immunantwort

Bei Allergenen aus Pollen handelt es sich um hochmolekulare Proteine oder Glycoproteine. Diese vergleichsweise großen Moleküle wurden in den letzten Jahren gut charakterisiert. Ein Team um Dr. Stefanie Gilles-Stein, Dr. Isabelle Beck und Professor Dr. Claudia Traidl-Hoffmann vom Institut für Umweltmedizin des Helmholtz Zentrums München und vom Lehrstuhl der Technischen Universität München hat jetzt gezeigt, dass auch niedermolekulare Pollensubstanzen klinisch relevant sind*.

Pollenuntersuchung im Labor. Quelle: Institut für Umweltmedizin des Helmholtz Zentrums München

Für die Tests kamen Allergene aus Birken- und Gräserpollen zum Einsatz. Die Pollenallergene wurden entweder in einer Kochsalzlösung oder mit einer niedermolekularen Fraktion des Pollenextrakts präpariert. Im Rahmen der Studie wurden Haut-Pricktests und nasale Provokationen an gesunden und allergischen Probanden durchgeführt.

„Die Haut-Pricktests ergaben dann eine stärkere allergische Immunreaktion wie Quaddeln oder  Rötungen, wenn die niedermolekulare Pollenfraktion beigefügt war“, erklärt Professor Dr. Claudia Traidl-Hoffmann. Bei den nasalen Provokationstests verstärkten die niedermolekularen Pollensubstanzen die lokale Freisetzung von Interleukin-8 (IL-8) und Immunglobulin E (IgE). Eine vermehrte Nasensekretproduktion wurde in derjenigen Studiengruppe festgestellt, bei welcher die niedermolekulare Pollenfraktion beigemischt war. Beobachtet wurde außerdem stärkeres Naselaufen und Augenjucken, erhöhter Niesreiz sowie weitere verstärkte Symptome. Gesunde Probanden reagierten in der Studie nicht messbar auf die Pollensubstanzen. Und zwar weder in Pricktests der Haut noch in nasalen Provokationen.

Traidl-Hoffmann weiter: „Unsere Pilotstudie leistet einen Beitrag für zukünftige klinische Studien.“ In diesen wird die Wirkung niedermolekularer, nicht allergener Substanzen aus Pollen näher untersucht werden. Von klinischer Bedeutung könnten nicht allergene Substanzen insbesondere in der Allergiediagnostik und bei der allergenspezifischen Immuntherapie („Hyposensibilisierung“) sein. Denn dort kommen derzeit Pollenextrakte zum Einsatz. Ob und in welchen Mengen diese aktuell verwendeten Extrakte entzündungsfördernde Substanzen enthalten, ist bisher nicht ausreichend untersucht worden. „Die Studienergebnisse könnten die Allergiediagnostik und allergenspezifische Immuntherapie verändern“, hofft Traidl-Hoffmann.

Weitere Informationen

Publikation

Gilles-Stein S. et al. (2016): Pollen derived low molecular compounds enhance the human allergen specific immune response in vivo. DOI: 10.1111/cea.12739

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.100 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 34.000 Beschäftigten angehören. 

Das Institut für Umweltmedizin (IEM) unternimmt translationale Forschung zur Umwelt-Mensch-Interaktion mit dem Schwerpunkt auf allergischen Erkrankungen. Fortwährendes Ziel dabei ist, chronischen Umwelterkrankungen vorzubeugen und eine nachhaltige Behandlung sicher zu stellen. Lehrstuhl und Institut für Umweltmedizin der Technischen Universität München und des Helmholtz Zentrum München sind Teil des Universitären Zentrums für Gesundheitswissenschaften am Klinikum Augsburg, UNIKA-T, ein Forschungsverbund der Universität Augsburg, der Technischen Universität München, der Ludwig-Maximilians-Universität München und des Klinikum Augsburg. Zusätzliche besteht eine enge Kooperation mit dem KORA-Studienzentrum (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg), sowie der Nationalen Kohorte (NAKO) - beide Helmholtz Zentrum München. Das IEM arbeitet außerdem eng mit dem Zentrum für Allergie und Umwelt (ZAUM) sowie benachbarten Instituten wie dem IAF am Helmholtz Zentrum München zusammen.